Wahlen in Hamburg: Nun doch keine elektronische Stimmauszählung

In Hamburgs BĂĽrgerschaft zeichnet sich eine Mehrheit gegen die Nutzung des digitalen Wahlstifts zur Bestimmung des amtlichen Endergebnisses ab.

vorlesen Druckansicht 79 Kommentare lesen
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Richard Sietmann
Aufgrund der Sachverständigen-Anhörung im Verfassungsausschuss am vergangenen Freitag hält die SPD-Fraktion in Hamburg den digitalen Wahlstift für die Wahlen in der Hansestadt am 24. Februar nicht für einsatzreif. Das erklärte die SPD-Verfassungsexpertin und Vizepräsidentin des Landesparlaments, Barbara Duden, gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Zwar wird der Verfassungsausschuss am kommenden Freitag noch einmal über den Wahlstift beraten, doch damit zeichnet sich in Hamburgs Bürgerschaft nun eine Mehrheit für die vollständige manuelle Auszählung der Stimmzettel ab, wie sie bisher als einzige Fraktion die GAL verlangte.
Die SPD in Hamburg hatte sich schon Anfang November darauf festgelegt, dass sie der Verwendung des digitalen Wahlstifts nur im Konsens mit der CDU und GAL zustimmen werde. Auch die CDU will mit ihrer knappen Mehrheit in der Bürgerschaft das umstrittene elektronische Wahlsystem, bei dem der Stift beim Ankreuzen des Stimmzettels das Votum des Wählers gleichzeitig mit einem Sensor registriert, nicht im Alleingang durchdrücken.
Offen ist noch, ob der Stift nun in einem größeren Feldtest lediglich in bestimmten Wahllokalen zum Einsatz kommt oder ob er flächendeckend als Zählhilfe zur schnellen Ermittlung des vorläufigen amtlichen Endergebnisses dienen soll, wobei sich die Feststellung des amtlichen Endergebnisses dann auf die manuelle Auszählung stützt. Der Verfassungsausschuss will darüber auf seiner Sitzung am Freitag beschließen.
Der Vertreter der CDU im Verfassungsausschuss, Kai Voet van Vormizeele, macht sich im Vorfeld der Sitzung bereits für den Einsatz als Zählhilfe stark. Zugleich stellte er gegenüber dem Hamburger Abendblatt die Handauszählung der Stimmen als Schreckenszenario dar – weil der Senat dafür rund 11.000 Wahlhelfer rekrutieren muss, die überwiegend aus dem Öffentlichen Dienst kämen, würde die Verwaltung nach dem Wahlgang tagelang gelähmt sein.
Zum Thema E-Voting und elektronische Wahlmaschinen siehe auch:
  • Salami-Taktik mit Pilotversuchen in England
  • Ă–sterreicher sind mehrheitlich gegen E-Voting
  • FĂĽr den Wahlstift "ist die Zeit nicht reif"
  • Petitionsausschuss: Bundesregierung soll auf Kritik an Wahlcomputern eingehen
  • Neue Gesetzesinitiative gegen Wahlcomputer in den USA
  • Innenministerium erteilt "verbesserten" Wahlcomputern Zulassung
  • Nedap freut sich ĂĽber das "Aus fĂĽr Nedap-Wahlcomputer"
  • Petition gegen Wahlcomputer voraussichtlich im November im Bundestag
  • Wahlcomputer und die Grenzen der Informationsfreiheit
  • Digitale Wahlstifte bei Hamburger BĂĽrgerschaftswahl grundgesetzwidrig?
  • Niederlande: Aus fĂĽr Nedap-Wahlcomputer
  • Wähler-Selbstkontrolle, Experten ringen um Vertrauen in elektronische Wahlmaschinen, c't 19/07, S. 84
  • US-Wahlmaschinenhersteller soll nicht-zugelassene Geräte vertrieben haben
  • Wählervoten in Ohio lassen sich nachträglich Personen zuordnen
  • Aus fĂĽr die Nedap-Wahlmaschinen in Köln?
  • Aufregung ĂĽber die Entscheidung zu Wahlcomputern in Kalifornien
  • Herber RĂĽckschlag fĂĽr US-Wahlmaschinenhersteller
  • US-Wahlcomputer können keine vertrauenswĂĽrdigen Wahlen garantieren
  • Ergebnisse des größten "Hacker"-Tests fĂĽr US-Wahlmaschinen liegen vor
  • Mängelbericht zu E-Voting-Versuchen in England veröffentlicht
  • ZĂĽrichs e-Voting-Projekt erhält Auszeichnung der Vereinten Nationen
  • Hacker-Test fĂĽr US-Wahlmaschinen
  • Innenministerium hält Wahlcomputer weiterhin fĂĽr "hinreichend manipulationssicher"
  • Widerstand gegen Wahlcomputer in Frankreich
  • Datenschutz fĂĽr Wahlcomputer
  • E-Voting am GroĂźbildschirm
  • E-Voting: Experten wollen unter sich bleiben
  • Estland wählt per Internet
  • US-Regierung benennt offizielle Wahlmaschinen-Testlabors
  • Verfassungsklage gegen Wahlcomputer
  • Gesetzentwurf zu Wahlmaschinen in den USA umstritten
  • E-Voting-Aktivismus, Ein Anlauf zur europaweiten Koordination unter Kritikern von Wahlmaschinen, c't 5/07, S. 42
  • E-Voting ist keine E-Demokratie
  • Wahlmaschinen: Florida rudert zurĂĽck
  • Cottbus verabschiedet sich von Wahlcomputern
  • 23C3: "Das Bundesinnenministerium hat das Wahlrecht gehackt"
  • WahlprĂĽfungsausschuss: Bedenken gegen Wahlcomputer "offensichtlich unbegrĂĽndet"
  • "Eine neue Situation", E-Voting in Deutschland nach dem Wahlmaschinen-Hack , Interview mit Professor Dieter Richter von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, c't 24/06, S. 72
  • Italien stoppt Wahlcomputer-Projekte
  • Demokraten fechten Wahlergebnis in Sarasota (Florida) an
  • Alles legal: Wahleinspruch in Cottbus abgelehnt
  • Wahlcomputer in Florida unterschlagen jede achte Stimme
  • Misstrauen gegen Wahlgeräte: Wahleinspruch in Cottbus
  • Erneut Wahlmaschinen-Debakel in den USA
  • E-Voting: Hamburg fĂĽhrt den digitalen Wahlstift ein
  • Floridas Wahlcomputer fĂĽhren erneut Eigenleben
  • GrĂĽnes Licht in den Niederlanden fĂĽr Nedap-Wahlcomputer
  • SDU-Wahlcomputer von niederländischen Parlamentswahlen ausgeschlossen
  • "Die Nicht-Lösung eines nicht existierenden Problems", Rop Gonggrijp zu den Konsequenzen aus dem Wahlmaschinen-Hack, c't 23/06, S. 36
  • NIST soll US-Wahlmaschinen prĂĽfen
  • CCC kritisiert schwere Mängel bei Wahl in Cottbus
  • Bundestags-Petition gegen Wahlcomputer
  • GroĂźbritannien nimmt neuen Anlauf zum E-Voting
  • Schach dem E-Voting, Hackerteam demonstriert die Manipulierbarkeit von Wahlcomputern, c't 22/06; S. 52
  • PTB will den Wahlcomputer-Hack "aufmerksam und grĂĽndlich" studieren
  • Wahlmaschinen-PrĂĽfer wĂĽrdigen Arbeit der Nedap-Hacker
  • CCC fordert Verbot von Wahlcomputern - Nedap wehrt VorwĂĽrfe ab
  • Niederländische BĂĽrgerinitiative knackt Nedap-Wahlcomputer
  • Erneut Sicherheitsmängel bei Wahlmaschinen nachgewiesen
  • Obskure Demokratie-Maschine, Sind Wahlcomputer manipulationssicher?, c't 20/06, S. 86
  • Niederländische E-Voting-Gegner wollen Widerstand in Europa vernetzen
  • E-Voting: Online wählen mit zertifizierter Sicherheit
  • E-Voting: Nur die letzte Stimme zählt
  • E-Voting: "Allmählich wird es ernst"
  • E-Voting: Ja, aber ..., Bedenken gegen die Wahlcomputer von Nedap, c't 16/06, Seite 54
  • Naive E-Wähler, Rechtliche und technische Probleme bei Wahlcomputern in Deutschland, c't 15/06, S. 104
  • Der Stift-Kompromiss, Das Hamburger Landeswahlamt propagiert fĂĽrs Voting den digitalen Wahlstift, c't 6/06, S. 90
  • "Der schleichende Verfall der öffentlichen Kontrolle", Der 22C3 diskutiert ĂĽber Wahlen per Internet und E-Voting, c't 2/06, S. 20
  • E -Voting vs. Verfassung, Rechtliche Bedenken bei elektronischen Wahlmaschinen in Deutschland, c't 1/06, S. 80
  • Elektronische Wahlen?, Einige verfassungsrechtliche Fragen, c't 23/05, S. 228
  • Dreimal drĂĽcken – fertig?, E-Voting-GroĂźeinsatz bei der Bundestagswahl, c't 19/05, S. 54
  • Trial and Error, Streit um technische Richtlinien fĂĽr US-Wahlcomputer, c't 17/05, S. 54
  • E-Voting – ein Spiel mit dem Feuer, Elektronische Wahlsysteme bei den US-Präsidentschaftswahlen 2004, c't 23/04, S. 100
  • VerfĂĽhrerischer Charme ..., ... aber die EinfĂĽhrung allgemeiner Online-Wahlen bleibt umstritten, c't 11/01, S. 22
  • Der virtuelle Wähler, Zweifel am Urnengang mittels Internet, c't 8/01, S. 70
  • (Richard Sietmann) /