Auf Wiedersehen, Voyager 1!

Nach 35 Jahren Flugzeit hat erstmals eine Raumsonde das Sonnensystem verlassen. Welche Daten wird sie wohl noch zurĂĽckschicken?

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Nach 35 Jahren Flugzeit hat erstmals eine Raumsonde das Sonnensystem verlassen. Welche Daten wird sie wohl noch zurĂĽckschicken?

Die New York Times brachte letzten Donnerstag eine hübsche Anekdote über die NASA-Projektmanagerin Suzanne Dodd, die für die Voyager-Raumsonden zuständig ist. Wann immer Dodd im Gebäude der Mars-Rover-Entwickler zu tun hat, versucht sie nach eigener Aussage nicht allzu sehr aufzufallen: „Ich nehme so oft es geht die Treppe statt des Aufzugs. Die leisten da wichtige Arbeit, und ich könnte sie noch aufhalten.“ Doch Dodd sollte ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Denn einer ihrer Schützlinge, Voyager 1, hat einen bedeutenden Karrieresprung getan, wie ein Artikel im Fachjournal Science belegt: Sie verließ das Sonnensystem und fliegt nun als erste menschengemachte Maschine durch interstellaren Raum. Wann genau sie die Grenze überschreiten würde, war bis zuletzt unklar. Letzte Woche enthüllten Wissenschaftler im Fachjournal „Science“, dass sie es wohl schon am 25. August 2012 getan hat.

Man muss kein Weltraumsaga-Fan sein – auch wenn die Voyager-Mission im selben Jahr wie Star Wars startete – um bei dieser Nachricht ein bisschen ins Schwärmen zu geraten. Wenn es stimmt, dass wir den Blick über die endlose Weite einer Savanne deshalb als angenehm empfinden, weil es in unseren Genen festgeschrieben ist, scheint es fast, als sei etwas Ähnliches für den Anblick des Weltalls wahr.

Doch der Transit von Voyager 1 ist auch jenseits aller Abenteuer-Romantik faszinierend. Denn niemand hätte zum Zeitpunkt des Starts gedacht, dass sie jemals so weit kommt. Gerade einmal vier Jahre Flugzeit und eine Reise bis zum Saturn wagte die NASA vorherzusagen. Alles Weitere galt als Zugabe. Mit ihrer Schwestersonde Voyager 2 sollte Nr. 1 nacheinander an den Planeten des Sonnensystems vorbeifliegen, Daten sammeln und nie dagewesene Aufnahmen machen.

In Zeiten von Handy-Akkus, die nach zwei Jahren die Grätsche machen, lohnt auch ein kurzer Blick auf die Voyager-Technik: Der Speicher ihrer Computer beträgt gerade mal ein Zweihundertvierzigtausendstel von dem eines Low-End-iPhones, schreibt die New York Times. Ihre Daten sendet die Sonde mit einem 23-Watt-Transmitter zur Erde. Das mag nur etwa der Leistung eines Kühlschrankbirnchens entsprechen, allerdings wird Voyager 1 – wenn alles gut geht – noch bis 2025 auf Sendung sein. Und dabei in unendliche Weiten vordringen, die eine Sonde nie zuvor durchflogen hat. (vsz)