Obama-Administration will harten Umstieg auf terrestrisches Digital-TV verschieben
In 39 Tagen soll das terrestrische Analogfernsehen in den USA eigentlich der Vergangenheit angehören - doch erhebliche Verzögerungen bei einem Förderprogramm könnten dazu führen, dass Millionen Amerikaner erst einmal in die Röhre gucken.
Der frühere Stabschef des Weißen Hauses und derzeitige Chef des Transition-Teams von Barack Obama, John Podesta, hat die zuständigen Ausschussvorsitzenden in Senat und Repräsentantenhaus aufgefordert, die Frist zur Umstellung des terrestrischen Fernsehens von Analog- auf Digitaltechnik zu verlängern. Der Kongress hatte mit dem "Digital Transition and Public Safety Act" im Jahr 2005 beschlossen, dass US-amerikanische TV-Sender ihre terrestrisch empfangbaren Programme ab dem 17. Februar 2009 nur noch in digitalisierter Form ausstrahlen dürfen. Die dem Handelsministerium der USA (Department of Commerce) zugeordnete "National Telecommunications and Information Administration" (NTIA) erhielt den Auftrag, bedürftigen Bürgern den Umstieg durch Ausgabe sogenannter "Converter Box Coupons" zu erleichtern.
Gegen diese 40-Dollar-Coupons, von denen jeder Haushalt maximal zwei Stück beantragen kann, geben zertifizierte Händler standardisierte Digital-Analog-Wandler aus, mit denen sich terrestrisches Digitalfernsehen auch auf herkömmlichen Analog-Geräten darstellen lässt. Insgesamt wurden für das "TV Converter Box Coupon Program" 1,34 Milliarden US-Dollar bereitgestellt – jedoch lagen zum Ende des vergangenen Jahres schon insgesamt rund 40 Millionen Anträge vor. Da für das Coupon-Programm keine weiteren Gelder mehr zur Verfügung stehen, muss die NTIA nun abwarten, wie viele der Coupons, die nach der Ausgabe lediglich 90 Tage gültig sind, tatsächlich eingelöst werden; bislang sollen es etwa 16 Millionen sein. Wer jetzt noch einen Coupon beantragt, landet auf einer Warteliste und wird erst bedient, wenn bereits ausgegebene aber nicht eingelöste Coupons verfallen.
Derzeit soll die Warteliste mehr als eine Million Antragsteller umfassen – und nur ein Bruchteil wird bis zum 17. Februar einen Coupon zugeteilt bekommen. "Vor dem Hintergrund fehlender Coupons, unzulänglicher Aufklärung und Unterstützung, und der Tatsache, dass dies vor allem bedürftige Amerikaner betrifft, bitte ich Sie dringend, eine Änderung des gesetzlich festgelegten Termins für das Analog-Fernsehen-Aus in Erwägung zu ziehen", formuliert John Podesta in einem Schreiben, das an die Spitzen des Commerce, Science and Transportation Committee (Senat) sowie des Energy & Commerce Committee (Repräsentantenhaus) gerichtet ist. Seinen Angaben zufolge wird die Zahl der Coupon-Antragsteller auf der Warteliste bis Anfang Februar auf voraussichtlich mehr als 5 Millionen ansteigen. Die Senderbetreiber wehren sich unterdessen gegen eine Verzögerung und fordern den Kongress vielmehr auf, kurzfristig mehr Geld für das Coupon-Programm bereit zu stellen. (pmz)