Geht doch!
Unmöglich – so war die Reaktion der Autohersteller auf das EU-Vorhaben für schärfere Kohlendioxid-Grenzwerte. Nun zeigen ausgerechnet deutsche Premiummodelle, dass es eben doch möglich ist.
- Robert Thielicke
Unmöglich – so war die Reaktion der Autohersteller auf das EU-Vorhaben für schärfere Kohlendioxid-Grenzwerte. Nun zeigen ausgerechnet deutsche Premiummodelle, dass es eben doch möglich ist.
Die EU will 95 Gramm Kohlendioxidausstoß pro gefahrenem Kilometer bis 2020 für Neuwagen. Die deutsche Autoindustrie will es nicht. Aber sie kann es. Pünktlich zur IAA stellen BMW, Mercedes und Audi entsprechende Modelle vor. Dem Mercedes S 500 Plug-in Hybrid beispielsweise reichen drei Liter pro 100 Kilometer und 69 Gramm Kohlendioxid. Eine Kombination aus Elektroantrieb und Verbrennungsmotor macht es möglich. Im Strommodus sind so immerhin 109 PS drin, mit herkömmlichem Antrieb sogar 333 PS.
Natürlich gilt das übliche Misstrauen gegenüber der Messmethode, die diese Werte ermittelt hat. Wie lange fuhr das Fahrzeug dabei ausschließlich im Strommodus? Ist die Testrealität überhaupt relevant für den Alltag? Gerade bei Plug-in Hybriden ist das Verfahren extrem wacklig. Viele Annahmen fließen ein, die nicht notwendigerweise der Wirklichkeit widerspiegeln. Schließlich hat jeder Besitzer derartiger Fahrzeuge die freie Wahl, mit welchem Antrieb er sich fortbewegt.
Trotzdem: Die Modelle zeigen, was möglich ist. Sie sind zugegeben Luxusfahrzeuge, die sich die Masse der Autofahrer nicht leisten kann. Aber erstens betont die Autoindustrie selbst immer wieder gerne, wie wichtig die Premiumklasse sind, um eine Technologie reif für den Massenmarkt zu machen. Und zweitens treiben gerade diese Modelle Flottenverbrauch und damit Kohlendioxid-Emissionen der Autohersteller nach oben. Mittelklassewagen dagegen sind nicht das Problem. Sie haben schon jetzt einen zum EU-Ziel passenden Verbrauch oder werden ihn bis 2020 haben. Wenn Mercedes nun also schwärmt, „die S-Klasse setzt einen noch vor wenigen Jahren kaum für möglich gehaltenen Verbrauchsbestwert für Luxuslimousinen“ – dann sollte man den Hersteller beim Wort nehmen. Und darauf bauen, dass auch in Zukunft noch einiges möglich ist, was heute als unmöglich verkauft wird. (rot)