Pioneer will Millionen Fernsehgeräte mit P2P-Grid vernetzen
Eine Settop-Box verbindet TVs über ein Filesharing-Netz miteinander. Ohne einen zentralen Server können so Videostreams übertragen werden.
Der japanische Elektronikhersteller Pioneer hat mit Nextshare TV eine Settop-Box vorgestellt, die TV-Geräte über ein Filesharing-Netz verbindet. Ohne zentralen Server können damit Videostreams im Internet an Millionen Geräten gleichzeitig übertragen werden, während die Netzressourcen nur mit der Bandbreite für einen Empfänger belastet wird. Das Verfahren eigne sich damit besonders für Live-Übertragungen für ein großes Publikum, wie etwa Web-Kameras oder TV-Sendungen, erklärte Mark Stuart, Technikdirektor in Pioneers englischem Forschungszentrum.
Der Nextshare-Prototyp besteht aus Netzwerk- und Decoder-Hardware und Open-Source-Software. Das Filesharing-Programm basiert auf den quelloffenen Tribler-Protokollen, die auch im Bittorrent-Client eingesetzt werden. Vier VLIW-Prozessoren bewältigen die Rechenarbeit. In großen Stückzahlen könnte die Box für rund 50 Euro produziert werden, erläuterte Stuart.
Nextshare ist Teil des EU-Projektes P2P-Next, an dem mehrere europäische Firmen und Universitäten sowie der britische TV-Sender BBC beteiligt ist. Das Ziel ist ein äußerst bandbreiteneffizienter Mechanismus für Streaming-Inhalte, die simultan an Millionen Empfänger gesendet werden.
Mit herkömmlichen IP-Routern lässt sich beispielsweise kein effizienter Live-Broadcast realisieren, da für jeden Teilnehmer ein eigener Stream übertragen werden muss. Auch das IP-Multicast-Verfahren, bei dem Ströme von lokalen Netzknoten weiter geleitet werden, wird von vielen Internet-Providern nicht unterstützt. Die European Broadcasting Union (ein Konsortium europäischer Rundfunkanstalten) und die BBC sind daher intensiv um Fortschritte mit P2P-Next bemüht. Die EU hat bisher 15 Millionen Euro für die Forschung bereit gestellt. Neben der Hard- und Software-Entwicklung geht es dabei auch um den Aufbau von "Filesharing-Communities", die sich um spezifische Inhalte (wie Sportart, Lieblingsteam, Musikrichtung oder Lieblingskünstler) gruppieren können. So sollen universelle Medienkataloge entstehen, die ohne zentralen Server und Verwaltungsaufwand für Millionen Nutzer erreichbar sind. (Erich Bonnert) / (jkj)