Neue Führung der US-Luftwaffe legt Cyber-Command-Pläne auf Eis
Mit dem Air Force Cyber Command wollte die Luftwaffe ihren Beitrag zur Sicherung und Kontrolle der globalen Datenwelt für die USA leisten. Doch die spezifische Aufgabenstellung von AFCYBER erschloss sich selbst renommierten Militärexperten nie so richtig.
(Bild: USAF)
Noch läuft das Countdown-Script auf der Webseite der Air Force: In 46 Tagen und 8 Stunden soll das jüngste von insgesamt zehn Hauptkommandos der US-Luftwaffe offiziell seine Arbeit aufnehmen. Doch ob das Air Force Cyber Command (AFCYBER), mit dem die Luftwaffe ihren Beitrag zur Sicherung und Kontrolle der globalen Datenwelt für die Vereinigten Staaten leisten wollte, jemals in seiner ursprünglich geplanten Form in Betrieb gehen wird, ist derzeit fraglich.
Am gestrigen Donnerstag teilten Luftwaffenminister Michael B. Donley und USAF-Generalstabschef Norton A. Schwartz gemeinsam mit, dass sie die von ihren Amtsvorgängern im Sommer vergangenen Jahres vorgestellten AFCYBER-Pläne vorerst auf Eis legen werden. Eigentlich sollten am Luftwaffen-Stützpunkt Barksdale im Bundesstaat Louisiana ab Oktober 2008 rund 8000 Airforce-Mitarbeiter Maßnahmen zur elektronischen Kriegsführung entwickeln und gegebenenfalls durchführen.
Doch Michael W. Wynne (Ex-Luftwaffenminister) und Michael Moseley (Ex-Generalstabschef) waren zuletzt von Verteidigungsminister Robert M. Gates zum Rücktritt aufgefordert worden, nachdem es bei der Air Force zuvor mehrere Zwischenfälle gegeben hatte, darunter der Flug eines mit gefechtsbereiten Atomwaffen bestückten B-52-Bombers über die USA hinweg – erst bei der Ankunft wurde bemerkt, dass die Mannschaft nicht ausrangierte, sondern scharfe Marschflugkörper transportiert hatte.
Mit ihrem Amtsantritt nahm die neue Luftwaffen-Führung offenbar auch gleich das Cyber-Command-Programm unter die Lupe, dessen spezifische Aufgabenstellung sich selbst renommierten Militärexperten nie so richtig erschloss. So sollen allein bei der Air Force schon rund 40.000 Soldaten mit unterschiedlichen "Cyber-Operationen" beschäftigt sein, die Navy unterhält schon seit geraumer Zeit eine größere Cyber-War-Einheit, und offensive Netzwerk-Attacken werden unter anderem bereits von der NSA (National Security Agency) durchgeführt.
US-Medien zufolge soll die Air Force auch gar kein Mandat des Kongresses in Washington haben, neue ausgedehnte Cyberspace-Programme zu betreiben. Donley und Schwartz kündigten gestern an, die US-Luftwaffe werde nun zunächst überprüfen, wie sich die geplante AFCYBER-Mission mit anderen Air-Force-Initiativen "synchronisieren lasse". Die Luftwaffe bleibe aber ihrer Verpflichtung treu, "in vollem Umfang Ressourcen für die globale Kommando- und Lenkungsstruktur, die elektronische Kriegsführung und die Netzwerk-Verteidigung zur Verfügung zu stellen". (pmz)