Online-Banking ohne Computer

Mit einfach zu bedienenden Bezahlautomaten will das russische Start-up Qiwi den amerikanischen Finanzmarkt aufrollen.

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Von
  • Markus Salfer

Mit einfach zu bedienenden Bezahlautomaten will das russische Start-up Qiwi den amerikanischen Finanzmarkt aufrollen.

Im Hightech-Land USA werden Rechnungen und sogar die Monatsmiete meist noch umständlich per Scheck bezahlt. Das russische Unternehmen Qiwi will nun Bezahlautomaten als praktische Alternative auf dem US-Markt etablieren. In Russland gibt es solche Terminals schon seit mehr als zehn Jahren, mittlerweile sind es rund 150.000 Stück. Sie stehen fast überall: in Supermärkten, Einkaufszentren, Bahnhöfen, sogar in Unterführungen. Täglich wickeln sie mehr als zwölf Millionen Transaktionen ab, von der Geldanweisung bis zur Kredittilgung. Auch die meisten Handygespräche werden über solche Automaten vorab bezahlt.

Der Vorgang ist denkbar einfach: Auf dem Touchscreen wählt der Nutzer zuerst, welche Art von Rechnung er bezahlen will – Strom, Wasser, Gas oder Telefon. Um beispielsweise ein Prepaid-Handy aufzuladen, tippt er den Mobilfunkanbieter an, gibt seine Telefonnummer ein und steckt Geldscheine in den Automaten. Der Automat spuckt eine Quittung aus, und ein paar Minuten später erhält man eine Bestätigungs-SMS vom Mobilfunkbetreiber. Die Daten übertragen die Automaten ebenfalls über das Mobilfunknetz. Ihr Anschaffungspreis liegt zwischen 2000 und 4000 Euro.

Die Betreiber dieser Automaten schließen Verträge mit Mobilfunkprovidern, kommunalen Versorgern, Internetanbietern sowie Kreditinstituten und kassieren von den Kunden Gebühren in Höhe von bis zu acht Prozent. Oft betreiben auch große Ladenketten oder Hotels die Automaten in Eigenregie und bieten Kunden den Service gebührenfrei an. Qiwi ist mit einem Marktanteil von 45 Prozent und 1600 Kunden einer der größten Anbieter – und derjenige, der sich am stärksten im Ausland engagiert.

Bisher ist Qiwi vor allem in Schwellenländern wie den ehemaligen Sowjetrepubliken, China, Brasilien, Serbien, Bulgarien, Jordanien, Kolumbien, Peru, Chile, Panama, Indien und Malaysia tätig. Dort herrschen ähnliche Bedingungen wie in Russland: Die nächste Bankfiliale ist oft kilometerweit entfernt. Seit diesem Jahr ist Qiwi auch in den USA aktiv – als erstem Land der westlichen Welt. (bsc)