"Virtuell therapieren"

Hans Lehrach ist Professor am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin. Seine Vision: Simulationsprogramme verraten Ärzten, welchem Patienten welches Mittel hilft.

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Hans Lehrach ist Professor am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin und gründete 2008 Alacris Theranostics. Seine Vision: Simulationsprogramme verraten Ärzten, welchem Patienten welches Mittel hilft, und revolutionieren die Wirkstoffentwicklung.

Wir werden in den nächsten fünf Jahren Krebspatienten viel besser behandeln können, als das jetzt der Fall ist. Heute versorgen wir sie oft mit Medikamenten, die nur bei 28 Prozent von ihnen wirken. Wir wissen vorher nicht, ob sie auf das Medikament ansprechen werden. Wenn nicht, wird es wieder abgesetzt, hat aber oft hohe Kosten und Nebenwirkungen verursacht. Besser wäre es, Ärzte könnten automatisch Tausende von Behandlungen an einem Computermodell des Patienten ausprobieren – und sich dann für die geeignetste entscheiden. Genauso wie angehende Piloten Flugmanöver zuerst an einem Modell eines Flugzeugs erproben.

Und so wie ich mich bei einem komplexen Flugsimulator darauf verlasse, dass er sich wie das echte Flugzeug verhält, muss der virtuelle Patient – so weit es geht – genauso reagieren wie der wirkliche Patient. Dieses Computermodell gibt es bereits: Wir können die wichtigsten biologischen Vorgänge im Tumor modellieren und vorhersagen, wie ein Patient auf verschiedene Medikamente reagieren könnte. So gelang es etwa, eine Patientin mit einem fortgeschrittenen Tumor durch ein Medikament, das sonst für andere Krankheiten vorgesehen ist, längere Zeit stabil zu halten.

(vsz)