Eurathlon: Roboter im Keller
Auch am zweiten Tag des Roboterwettbewerbs Eurathlon mussten die Rettungsroboter zeigen, was sie draufhaben – beim Szenario "Urban Search and Rescue".
Beim Roboterwettbewerb Eurathlon in Berchtesgaden mussten die Roboter heute in den Keller. Für das Szenario "Urban Search and Rescue" waren leer stehende Räume im Bahnhofsgebäude mit einigen Hindernissen präpariert worden, außerdem waren einige orangefarbene Schilder verteilt, die es zu finden galt. Den Teams war es freigestellt, ob sie die Treppe oder den Fahrstuhl benutzen wollten, um nach unten zu kommen, wobei der Fahrstuhl allerdings einen Punktabzug mit sich brachte.
Eurathlon: Rettungsroboter in Aktion (4 Bilder)

Die ersten beiden Teams gingen mit kommerziell verfügbaren Robotern an den Start, das Team Telerob mit dem Telemax, das Team ELP mit dem Packbot. Beide entschieden sich für die Treppe, beide stürzten. Für den knapp 80 Kilogramm schweren Telemax bedeutete das allerdings das vorläufige Aus für den Wettbewerb, da der Arm bei dem Sturz stark beschädigt wurde. Der nur etwa 25 Kilogramm schwere Packbot dagegen konnte die Fahrt fortsetzen und außer Konkurrenz sogar noch ein zweites Mal in den Keller hinabsteigen. Bei dieser zweiten Fahrt wurde die Verbindung zum Roboter über ein Glasfaserkabel aufrechterhalten, während beim ersten Versuch eine Relaisstation abgeworfen wurde, um die Funkverbindung trotz der dicken Mauern zu gewährleisten. In einem Raum des Kellergewölbes waren auch einige simulierte Sprengfallen untergebracht. Da die Prozeduren zur Bombenentschärfung strenger Geheimhaltung unterliegen, war dieses Szenario der Öffentlichkeit jedoch nicht zugänglich.
Wer dem Operator bei so einer Erkundungsfahrt über die Schulter schaut, kriegt einen Eindruck davon, wie schwierig es ist, allein aufgrund der Kamerabilder ein Gefühl für die Umgebung zu bekommen. Autonome Funktionen wie die Erstellung einer Umgebungskarte oder die Anpassung der Antriebsketten an den jeweiligen Untergrund können die Bedienung erleichtern. Nach dem Reaktorunfall in Fukushima zeigte sich aber auch, dass der gleichzeitige Einsatz von zwei Robotern große Vorteile bringt. Der zurückbleibende Roboter kann nicht nur als Relaisstation dienen, sondern kann den anderen auch mit seiner Kamera beobachten und so die Situationswahrnehmung verbessern. Shinji Kawatsuma von der japanischen Atomenergiebehörde, der den Robotereinsatz in der Reaktorruine geleitet hat, wird Mittwoch im Eurathlon-Workshop ausführlicher über die dort gesammelten Erfahrungen berichten.
Heute eröffnete erst mal Michael Gustmann von der Kerntechnischen Hilfsdienst GmbH den Workshop. In seinem Vortrag schilderte er, nach welchen Kritierien der aus 12 Robotern bestehende Gerätepark aufgebaut wurde. Ein Grundgedanke war, dass die unterschiedlich großen Roboter, die von einem Fahrzeug zur Inspektion enger Röhren bis zum ferngesteuerten Bagger reichen, miteinander kooperieren können sollten. Dazu gehört das gegenseitige Betanken oder der Transport kleinerer Geräte durch größere Fahrzeuge.
Im Alarmfall können die Geräte innerhalb von drei Stunden auf den Weg gebracht werden. Dabei erfolge die Reaktion in drei Wellen, so Gustmann: Zunächst fahren kleinere Wagen los, die eine Geschwindigkeit von etwa 120 km/h erreichen können und Material für erste Inspektionen transportieren. Das schwerere Gerät wird mit 80 km/h transportiert, gefolgt von einer dritten Welle, die Ersatzteile und zusätzliche Ausrüstung ebenfalls mit 80 km/h transportiert.
So ein Ernstfall ist in Deutschland bislang glücklicherweise ausgeblieben. Dennoch zählt die KHG sicherlich zu den erfahrensten Institutionen, was den Umgang mit Rettungsrobotern betrifft. Diese Erfahrungen brachten Gustmann beim diesjährigen Eurathlon den Vorsitz der Jury ein. Im Interview mit heise online spricht er unter anderem über die Hoffnung, die Rettungsroboter nie einsetzen zu müssen. (axk)