Eurathlon: Rettungsroboter im Rauch

Am dritten Tag des internationalen Roboterwettbewerbs Eurathlon mussten sich die Rettungsroboter in einen rauchgefĂĽllten Tunnel begeben und dort nach Schildern suchen.

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Von
  • Hans-Arthur Marsiske

Der Telemax wartet auf seinen Einsatz im rauchgeschwängerten Tunnel, der mit einer Plane abgedeckt ist.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Mit einem gebrochenen Arm gehe ich noch lange nicht nach Hause – so ungefähr lässt sich wohl die Einstellung des Teams Telerob beim Roboterwettbewerb Eurathlon in Berchtesgaden beschreiben. Denn nach einem schweren Sturz am Dienstag von einer Kellertreppe war deren Roboter Telemax schon am späten Nachmittag wieder zurück, mit Klebeband notdürftig bandagiert, um einen zweiten Lauf zu versuchen. Der verlief dann ohne Zwischenfälle. Ob er allerdings ausreichte, um gegen den Hauptkonkurrenten ELP zu bestehen, ist noch nicht klar. Die Leistungen der Roboter werden nach einem Punktesystem bewertet, bei dem die Genauigkeit der angefertigten Umgebungskarten ebenso berücksichtigt werden wie die Zahl der gefundenen Objekte, deren Positionen ebenfalls möglichst genau in den Karten markiert werden müssen.

Puh, das wäre geschafft. Der Packbot des Teams ELP fand im stockdunklen Tunnel zwei Schilder.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Auch die Ergebnisse des heutigen Szenarios werden erst später ermittelt werden. Die Roboter mussten heute in einem dunklen, von Rauch gefüllten Tunnel nach orangefarbenen Schildern suchen. Das Team ELP nutzte dafür eine Thermokamera, die allerdings nur sehr verschwommene Bilder übermittelte. Telerob stützte sich auf eine gewöhnliche optische Kamera, die direkt nach vorn auf den Boden gerichtet war. Die Karte erstellte der Operator manuell, wobei er die zurückgelegte Entfernung anhand der Geschwindigkeit des Roboters schätzte. Tatsächlich fand er auf diese Weise fünf Schilder, während ELP lediglich zwei identifizierte. Für die Wertung ist aber die Genauigkeit der Positionsangaben entscheidend, sodass sich noch nicht sagen lässt, wer diesen Wettkampf gewonnen hat. Höchstwahrscheinlich wird es aber eines dieser beiden Teams sein, die als einzige mit kommerziell ausgereiften Plattformen antreten, dem Packbot und dem Telemax.

Die übrigen Teams nehmen mit Forschungsplattformen teil und sehen den Wettbewerb teilweise in erster Linie als willkommene Möglichkeit für Tests unter extremen Bedingungen. So schickte das Team RIS aus Toulouse seinen Roboter vollkommen autonom in den Tunnel, gestützt auf die Daten eines Laserscanners. Die Strategie sei, so Teamleiter Simon Lacroix, den Roboter sehr langsam fahren zu lassen, in der Hoffnung, dass er in den Scandaten grobe Strukturen erkennen kann. Sie hätten bislang keinerlei Erfahrungen mit Rauch sammeln können und seien sehr gespannt, wie der Roboter damit zurechtkomme. Es gäbe zwar Laserscanner, die auch vielfache Reflektionen der Signale verarbeiten und so die Rauchpartikel herausfiltern könnten, doch die seien noch zu groß und zu schwer für relativ kleine Roboter.

Ein weiteres Schreckenszenario ist die Kernschmelze in einem nuklearen Reaktor. Im parallel zum Wettbewerb laufenden wissenschaftlichen Workshop war das heute Thema eines Vortrags von Shinji Kawatsuma von der japanischen Atomenergiebehörde, der für den Robotereinsatz nach dem Reaktorunfall in Fukushima verantwortlich war. Sehr klar und nüchtern fasste Kawatsuma einige Lehren aus diesem Unglück zusammen. Roboter seien durchaus vorhanden gewesen und wurden auch aus dem Ausland zur Verfügung gestellt, so etwa ein Talon vom Idaho National Laboratory. Doch wie sollte der Roboter transportiert, wie ins Gebäude und wieder heraus gebracht werden? Von wo aus sollte er gesteuert werden? Woher sollte die Elektrizität kommen, wie der Operator geschützt werden?

In seinem Vortrag wie auch im Interview mit heise online betonte Kawatsuma, dass es nicht auf die Roboter allein ankäme. Vielmehr müssten sie in komplette Systeme integriert sein, zu denen auch die Sensoren, Generatoren, das Kontrollzentrum, Transport und Training zählten. Es habe in Japan keinerlei Notfallpläne gegeben. Nach dem Unglück sei aber am 16. Oktober 2012 nach dem Vorbild der deutschen KHG und der französischen Groupe INTRA die Organisation ROTE (Remote Equipment Operation Team for nuclear Emergency) ins Leben gerufen worden. In einem erneuten Ernstfall, der hoffentlich nie eintritt, dürfte damit eine schnellere und effektivere Reaktion möglich sein. (axk)