Verschwitzt am Monitor: Olymptronica-Besucher testen Computerspiele

"Wir wollen zeigen, dass PC-Spiele zu spielen mittlerweile mehr ist, als nur vor dem Bildschirm zu sitzen", heißt es beim Olymptronica-Veranstalter. Auch wurde bei der Messe gänzlich auf Spiele "mit Shooter- oder Killercharakter" verzichtet.

vorlesen Druckansicht 75 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Michaela Bruschewski
  • dpa

Sie boxen in die Luft, schlagen mit viel Schwung Golfbälle oder holen zum Tennisaufschlag aus. Andere stehen in Rudeln um Monitore und verfolgen digitale Fußballspiele oder daddeln an altertümlichen Konsolen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Bei der Computerspielemesse Olymptronica in Offenbach hatten Besucher am Samstag und Sonntag die Möglichkeit, neue Computerspiele zu testen und bei Turnieren an Spielekonsolen insgesamt 10.000 Euro Preisgeld zu gewinnen.

In einem Bereich der Halle hüpfen Jugendliche in Socken auf Tanzmatten, der Schweiß steht ihnen auf der Stirn, der Blick ist starr auf die Monitore gerichtet. Der 16-jährige Michael Wojtaszek steht konzentriert vor einem Bildschirm, in den Händen hält er eine Plastikgitarre, auf der er in der vorgegebenen Reihenfolge Tasten drücken muss. "Eine richtige Gitarre ist aber schon was anderes", sagt Michael, der schon seit einigen Jahren Gitarrenunterricht nimmt. Bevor das Turnier losgeht, will er noch ein bisschen üben. "Vielleicht schaffe ich die erste Runde, danach mal sehen", sagt er. Feliks Kelek (23) hat die erste Turnierrunde in einem Fußballspiel schon hinter sich. "Leider verloren, Hauptsache es macht Spaß", sagt der Offenbacher unbekümmert. Die Spieler seien alle relativ auf dem gleichen Level, es gebe "keine Überflieger". Von der Messe ist er begeistert, sie entspreche genau seinen Vorstellungen.

"Wir wollen zeigen, dass PC-Spiele zu spielen mittlerweile mehr ist, als nur vor dem Bildschirm zu sitzen", betont Hajo Neu vom Olymptronica-Veranstalter. Auch werde bei der Messe gänzlich auf Spiele "mit Shooter- oder Killercharakter" verzichtet, kein Spiel sei erst ab 18 Jahren freigegeben. Zu den Turnieren seien sogar Spieler aus Frankreich, Benelux und Italien angereist. "Etwa 20 Prozent der Besucher sind weiblich, in dieser eher männerdominierten Branche ist das schon beachtlich", sagt er. Die Messe sei vor drei Jahren als lokale Veranstaltung gestartet und habe sich seitdem stetig vergrößert. Nach der Games Convention in Leipzig sei es die zweitgrößte deutsche Computerspielemesse. Neu ist mit dem Verlauf der Veranstaltung sehr zufrieden.

Eltern konnten sich von Mitarbeitern des Frankfurter Jugendamts sowie beim Online-Magazin videospielplatz.de Ratschläge rund um den Umgang mit Computerspielen holen. Nicht wenige saßen außerdem zusammen mit ihren Kindern vor den Monitoren. "Den Konsum von PC-Spielen sollte man nicht als Belohnung oder Strafe einsetzen", sagt Marco Schmitz von videospielplatz.de. Anstatt das Spielen generell zu verbieten, sollten Eltern dem Kind Alternativen anbieten. Joachim Fiess aus Frankfurt hat die Beratung des Jugendamts aufgesucht. "Ich überlege, für meine Tochter eine Konsole anzuschaffen, und möchte mich hier über kindgerechte Möglichkeiten informieren", sagt er.

Volker Hoff, der hessische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, lobte vor allem das jugendfreie Konzept der Messe. "Wir müssen mit den jungen Leuten über einen verantwortungsvollen Umgang mit Computerspielen reden", sagte Hoff, der zusammen mit seinem sechsjährigen Sohn auch einige Spiele testete. (Michaela Bruschewski, dpa) / (jk)