Gamescom

Don Daglow: Die Zukunft der Spiele ist ungewiss

Beim Blick in die Kristallkugel fand Branchenpionier Don Daglow nur eines heraus: Die Zukunft der Spieleindustrie sei nicht vorausplanbar, das beweise schon ein Blick in die Vergangenheit.

vorlesen Druckansicht 31 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Frank Magdans

Wie sieht die Playstation 5 aus? Werden von Nutzern generierte Inhalte die Branche auf den Kopf stellen? Wird Sega wieder auf dem Hardwareparkett mittanzen? Fragen, die möglich gewesen wären. Doch Don Daglow schickte sich in seinem Vortrag mit dem Titel "The Next 20 Years of Game Development" auf der GCDC in Leipzig nicht an, den Magier zu geben, der in seine Kristallkugel schaut und sagt, wie die Welt der Computer- und Videospiele anno 2028 aussieht.

"So sehr wir uns auch bemühen würden, wir können nicht sagen: So sieht die Zukunft aus", sagte Daglow vor versammeltem Publikum. Statt also vage Prognosen aufzustellen, sprang Daglow in die Frühzeit der Spieleentwicklung zurück. Anfangs hätte man meinen können, er flüchte sich vor den Antworten, tatsächlich aber untermauerte der Entwickler mit seiner Retrospektive, dass es anmaßend gewesen wäre, die Interfaces und Screenshots von morgen zu präsentieren. Damit spielte er den Advocatus Diabolus und wischte all die schönen Prognosen, die seine Kollegen auf der Konferenz mühevoll in ihren Powerpoint-Präsentationen zusammengestellt hatten und die Zukunft der Grafik oder einen Goldrausch in China vorausgesagt hatten, im Handstreich fort.

Hinter dem Konzept, "die Muster der Historie" aufzuzeigen, steckt vor allem Daglows jahrzehntelange Erfahrung in der Branche. Im Kern kam er nämlich zu dem Schluss, dass es seitens der Studioproduktion ein ewiges Auf und Ab ist, ein stetiger Wechsel zwischen Beschämung und Stolz. "Die Zukunft wird dich immer wieder aufs Neue in Verlegenheit bringen. Sie wird dich überraschen". Dazu zählt selbst die Vorstellung, die er und seine Studienkollegen in den früheren Siebzigerjahren hatten: "Hätte man doch eines Tages nur mal einen Computer in der Küche stehen!" – heute längst eine Selbstverständlichkeit.

Was also kam am Ende des Vortrags unterm Strich heraus? Dass man als Entwickler nie vergessen soll, eine Sache mit Leidenschaft anzugehen. Denn das Produkt, das dabei am Ende entsteht, wird ganz sicher dem einen oder anderen Spieler lange im Bewusstsein bleiben. Und eines Tages kommt vielleicht jemand auf einen zu, um es ihm zu danken – so zumindest erging es Daglow erst vor Kurzem. Eine Entwicklerin soll ihm gesagt haben, wie toll seine Spiele gewesen seien. Das würde jetzt bei ihren Werken mit einfließen.

Beim bloßen Blick auf den Titel des Vortrags hätte niemand vorausahnen können, dass Daglow einen derart sentimental-philosophischen Rückblick entwirft. So gesehen biss sich die Katze selbst in den Schwanz: "The Next 20 Years of Game Development" war genauso unvorhersehbar, wie es die Zukunft ist. (Frank Magdans) / (hag)