Gartner: Software wird billiger werden

Nach Einschätzung der Marktforscher werden die Kosten für Software-Lizenzen in den nächsten Jahren sinken - nicht nur infolge des wachsenden Wettbewerbsdrucks der Anbieter untereinander, sondern auch durch den Trend zu Open Source, SaaS und BPO.

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In den kommenden 10 Jahren wird sich der Software-Markt grundlegend verändern, prophezeien die Analysten von Gartner. Dabei dürfen Anwender auf sinkende Kosten für Software-Lizenzen hoffen, denn der wachsende Konkurrenzkampf der Anbieter untereinander führe zu einem Preiskampf. "Bisher hatten Kunden wenig Verhandlungsspielraum bei der Anschaffung neuer Software-Lizenzen", erklärt Gartners Research Vizepräsident William Snyder.

Verschiedene Faktoren werden seiner Einschätzung nach jedoch in den nächsten 5 bis 10 Jahren einen Wandel herbeiführen und die Verhandlungsposition des Software-Käufers nachhaltig stärken. So sei ein wesentliches Merkmal des wachsenden Open-Source-Software-Marktes (OSS), dass auch qualitativ hochwertige Anwendungen nun zu immer günstigeren Preisen angeboten würde. Snyder sieht zwar Software-Giganten wie Microsoft oder IBM keineswegs durch OSS gefährdet, aber insbesondere in den Bereichen Server-Software, Betriebssysteme, Datenbanken und Entwicklungswerkzeuge nehme der Druck auf die etablierten Anbieter kontinuierlich zu.

Bei Unternehmenssoftware und Anwendungen für das Kundenbeziehunsgmanagement erwächst den Herstellern unterdessen Wettbewerb durch den Trend zur Auslagerung von IT-Prozessen. IT-Dienstleister, die sich auf das sogenannte Business Process Outsourcing (BPO) spezialisiert haben, vertrauen nach Snyders Erfahrung nämlich nur selten auf ERP- (Enterprise Resource Planning) und CRM-Applikationen (Customer Relationship Management) der "Platzhirsche" wie SAP, Oracle oder Microsoft. Und der Markt für BPO zählt zu den am schnellsten wachsenden Segmenten in der IT. Bis 2011 sollen die Umsätze weltweit um über 60 Prozent auf rund 235 Milliarden US-Dollar klettern.

Bis zu diesem Zeitpunkt werde außerdem der Anteil von Applikationen, die als Software as a Service (SaaS) angeboten werden, auf 25 Prozent zunehmen. Die nutzungsabhängige Abrechnung von Software wird sich nachhaltig auf das Preisgefüge für Lizenzen auswirken, ist Snyder überzeugt. Denn obwohl auch bei SaaS nicht vollständig auf eine Anpassung der jeweiligen Anwendung an die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens verzichtet werden könne, seien der Aufwand für die Implementierung und damit die Kosten insgesamt geringer.

Der Gartner-Analyst geht zudem davon aus, dass SaaS-Dienstleister die Kosten für Implementierung und Upgrades bereits in die monatlichen Gebühren einrechnen werden. Die dadurch erhöhte Transparenz erleichtert Kunden einen Preisvergleich. Durch SaaS können Unternehmen ihre Abhängigkeit von einem einzelnen Software-Anbieter zwar verringern, der Wechsel zu einem anderen Dienstleister "wird aber auch weiterhin weder kostenlos noch einfach zu bewerkstelligen sein", warnt Snyder.

Unter den weiteren Faktoren, die Druck auf das Preisgefüge im Software-Markt ausüben werden, nennt das Analystenhaus auch die wachsende Nachfrage aus bevölkerungsreichen Ländern wie China, Indien oder Brasilien. Unternehmen dort sind kaum durch Investitionen in traditionelle Software belastet und wesentlich aufgeschlossener gegenüber neuen, alternativen Lösungen. Speziell in China gewinnen zudem lokale Software-Anbieter wie Kingdee International Software Group oder Ufida Software an Boden gegenüber SAP, Oracle und Co., da sie vergleichbare Funktionalität zu deutlich niedrigeren Preisen offerieren, erläutert Snyder. (map)