Meilenstein oder Totgeburt?
Das größte Solarwärmekraftwerk der Welt, Invanpah in Kalifornien, ist erstmals ans Netz gebracht worden. Ob die gewaltigen Baukosten von 2,2 Milliarden Dollar gut angelegt sind, muss sich aber noch zeigen.
- Kevin Bullis
Das größte Solarwärmekraftwerk der Welt, Invanpah in Kalifornien, ist erstmals ans Netz gebracht worden. Ob die gewaltigen Baukosten von 2,2 Milliarden Dollar gut angelegt sind, muss sich aber noch zeigen.
Noch ist in den USA die Erinnerung an das Debakel von Solyndra frisch. 2011 meldete der Hersteller von Dünnschicht-Solarzellen Konkurs an. Solyndra galt als Hoffnungsträger im Förderprogramm des US-Energieministeriums (DoE). In einigen Jahren wird man sich vielleicht eher an einen Erfolg des DoE-Programms erinnern: das Solarwärmekraftwerk Ivanpah in Kalifornien. In ihm bündeln 200.000 Spiegel einfallendes Sonnenlicht auf einen Turm, in dessen Spitze Wasser verdampft wird, um Turbinen anzutreiben. Mit einer Leistung von 392 Megawatt ist es die derzeit größte solarthermische Anlage der Welt.
Ende September hat der Betreiber Brightsource Energy den Solargiganten erstmals ans Netz gebracht. Allerdings nur als Live-Test – die Anlage wird erst Ende des Jahres fertiggestellt. Die Bilder von Ivanpah stimmen durchaus zuversichtlich, dass die USA doch noch in der Lage sind, technische Großprojekte zu stemmen. Ebenso beeindruckend wie der Umfang ist allerdings auch der Preis: Der Bau der Anlage hat 2,2 Milliarden Dollar verschlungen. Davon stammten 1,6 Milliarden aus Darlehen des DoE-Förderprogramms.
So beeindruckend das Projekt ist, lässt sich noch nicht absehen, ob es in einigen Jahrzehnten als Mahnmal der Verschwendung von Regierungsgeldern gelten wird oder als wichtiger Meilenstein einer amerikanischen Energiewende. Betrachtet man die Stromgestehungskosten der Anlage, sind die Aussichten nicht so berauschend: Die Kosten pro Kilowattstunde werden für den solarthermischen Strom über die gesamte Lebensdauer des Kraftwerks deutlich über den Kosten von fossil erzeugtem Strom liegen.
Möglicherweise werden sie sogar über den Koste von Photovoltaik-Strom liegen. Denn die sind in den letzten Jahren aufgrund immer billigerer Solarmodule deutlich gesunken. Sollten die Kosten für Solarthermie künftig nicht sinken – was bei den Preisen für Brennspiegel und Dampfturbinen zu erwarten ist -, könnte Ivanpah sich als Sackgasse entpuppen.
Eine Erfolgsaussicht gibt es jedoch: Die Solarthermie ist die einzige Form der Solarenergie-Gewinnung, die rund um die Uhr laufen kann. Die tagsüber von den Brennspiegeln eingefangene Hitze kann nämlich relativ kostengünstig in Form geschmolzenen Salzes für die Nacht gespeichert werden. Funktioniert dies zuverlässig, könnte die Solarthermie die Produktionslücken ausgleichen, die vor allem nachts bei der Photovoltaik, bei Flauten aber auch bei der Windenergie klafft.
(nbo)