EU-Kartellstrafe wegen Preisabsprachen bei Videobändern
Sony, Fujifilm und Hitachi Maxell sollen ein Preiskartell bei Videobändern für professionelle Anwender gebildet, Sony zudem die Untersuchung durch Vernichtung von Dokumenten behindert haben.
Bei Privatkunden spielen Videobänder inzwischen kaum noch eine Rolle, bei professionellen Anwendern sieht das aber immer noch etwas anders aus. In diesem Bereich, etwa bei beim Fernsehen, kommen allerdings auch andere Formate als früher bei privaten Videorecodern zum Einsatz: Betacam SP und Digital Betacam sind die populärsten Techniken. Und hier soll es nach Angaben der EU-Kommission Preisabsprachen zwischen den Herstellern der Videobänder gegeben haben. Daher verhängten die europäischen Wettbewerbshüter eine Kartellstrafe von insgesamt 74,79 Millionen Euro gegen Sony, Fujifilm und Hitachi Maxell.
Von der Gesamtstrafe entfallen 47,19 Millionen Euro auf Sony, 13,2 Millionen Euro auf Fujifilm und 14,4 Millionen Euro auf Hitachi Maxell. Dabei wurden die Strafen für Fujifilm und Maxell gegenüber den eigentlich zu zahlenden Beträgen gesenkt, da sie während der Kartelluntersuchung mit den Behörden zusammengearbeitet hätten. Die Strafe für Sony wurde dagegen um 30 Prozent aufgestockt, da der Konzern die Untersuchung während einer Durchsuchung in den Sony-Geschäftsräumen direkt behindert habe: Ein Sony-Mitarbeiter habe sich trotz der Verpflichtung zur Aussage geweigert, Fragen zu beantworten, ein anderer Angestellter habe während der laufenden Razzia Dokumente geshreddert.
Zwischen 1999 und 2002 haben die drei Firmen laut EU-Kommission durch reguläre Treffen und andere Kontakte Absprachen getroffen, um die Preise für Betacam-SP- und Digital-Betacam-Bänder hochzuhalten oder anderweitig zu kontrollieren. Im Jahr 2001 seien mit diesen Bändern insgesamt 115 Millionen Euro in Europa umgesetzt worden. Sony kommentierte den Bescheid, der der Firma noch nicht vollständig vorliege, vorsichtig, und meinte, man sei "außerordentlich enttäuscht über das in der Mitteilung beschriebene Verhalten einer geringen Anzahl von Mitarbeitern in Europa". Zwar müsse der ganze Sachverhalt, wie die EU-Kommission ihn beschreibe, noch bestätigt werden, Sony wolle jedoch "bereits vorab klarstellen, dass Handlungen, wie sie in der Mitteilung beschrieben werden, generell von Sony in keiner Weise genehmigt oder geduldet werden. Wir entschuldigen uns für das Verhalten unserer Mitarbeiter und bedauern dies zutiefst". (jk)