Chipfertigungsausrüster ASML bekommt Wirtschaftskrise drastisch zu spüren

Nachdem im Auftaktquartal 2008 noch 919 Millionen Euro erlöst worden waren, rechnet der Hersteller von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie im laufenden ersten Quartal lediglich mit Umsätzen in Höhe von 180 bis 200 Millionen Euro.

vorlesen Druckansicht 1 Kommentar lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Peter-Michael Ziegler

Der niederländische ASML-Konzern (Advanced Semiconductor Materials International), eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer bei der Herstellung von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie, bekommt die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise drastisch zu spüren. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2008 brachen die Umsätze des in Veldhoven ansässigen Unternehmens gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast die Hälfe auf 494 Millionen Euro ein (Vorjahresquartal: 955 Millionen Euro). Unter dem Strich steht für den Zeitraum Oktober bis Dezember ein Nettoverlust von 88 Millionen Euro, nachdem im vierten Quartal 2007 noch ein Gewinn von 73 Millionen Euro angefallen war.

Im Oktober hatte ASML für das vierte Quartal 2008 noch Umsätze in Höhe von 530 Millionen Euro prognostiziert, diese Zielgröße aber nur wenige Wochen später bereits wieder korrigiert. Niemals zuvor, erklärte Konzernchef Eric Meurice am 18. Dezember, habe man einen so starken und plötzlichen Rückgang bei der Nachfrage nach Lithographiesystemen erlebt. Meurice kündigte damals den Abbau von mehr als zehn Prozent der Belegschaft bis zum Ende des zweiten Quartals 2009 an, von dem vor allem die Konzernzentrale in Veldhoven, der Produktionsstandort in Wilton im US-Bundesstaat Connecticut sowie das Trainingszentrum in Tempe (Arizona) betroffen sind. Letzteres wird ganz geschlossen.

Für das Gesamtjahr 2008 weist ASML Umsätze in Höhe von 2,954 Milliarden Euro aus, ein Minus gegenüber dem Vorjahr von 21,6 Prozent. Trotz des Fehlbetrags im vierten Quartal, der Konzernangaben zufolge im Wesentlichen durch Aufwendungen in Höhe von 138 Millionen Euro für Restrukturierungsmaßnahmen sowie Wertminderungen entstanden ist, fällt die Jahresbilanz mit einem Nettogewinn von 322 Millionen Euro (Vorjahr: 671 Millionen Euro) durchaus positiv aus. Doch das dicke Ende kommt erst noch: Für das laufende erste Quartal erwartet ASML lediglich Umsätze in Höhe von 180 bis 200 Millionen Euro, nachdem im Auftaktquartal 2008 noch 919 Millionen Euro erlöst worden waren.

Zudem wurden im vierten Quartal lediglich 13 Neuaufträge im Wert von 127 Millionen Euro verbucht. Der gesamte ASML-Auftragsbestand belief sich zum 31. Dezember auf 41 Systeme im Gesamtwert von 755 Millionen Euro. Drei Monate zuvor (28. September) standen noch 53 Systeme (1,028 Milliarden Euro) in den Büchern. "Der globale Wirtschaftsabschwung hat dazu geführt, dass Chiphersteller ihre Investitionspläne hinausschieben", erläutert Konzernchef Meurice. Da verlässliche Vorhersagen zu einem Aufschwung derzeit nicht möglich seien, habe ASML seine Kostenstruktur angepasst, um diese außergewöhnlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen meistern zu können. Die Produktionskapazitäten sollen aber auf einem Level gehalten werden, der es erlaubt, schnell zu reagieren, sollte die Nachfrage nach Endprodukten wieder anziehen. (pmz)