Gates/Getty: Jäger und Sammler des digitalen Bildermarkts

Zwei Milliardäre streiten sich um die Vormachtstellung auf dem digitalen Bildermarkt.

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Zwei Milliardäre streiten sich um die Vormachtstellung auf dem digitalen Bildermarkt (siehe auch den Wochenkommentar "Was war. Was wird" von gestrigen Sonntag). Schon seit Jahren machen die beiden größten Bildagenturen der Welt, Bill Gates' Corbis und J. P. Gettys Getty Images, durch die systematische Akquisition ihrer Konkurrenten von sich reden. Letzte Woche übertrafen sich beide Firmen regelrecht in der Ankündigung von Übernahmeplänen.

Corbis gab am Donnerstag bekannt, Saba Press Photos, eine internationale Fotoagentur mit Sitz in New York, kaufen zu wollen. Saba repräsentiert weltweit etwa 40 Fotografen und besitzt ein Archiv von zwei Millionen Bildern. Erst am Dienstag hatte der Konzern verkündet, er wolle sich die Pariser Firma TempSport, die mit Bildern von Sportveranstaltungen und -berühmtheiten handelt, einverleiben. Einen Tag vorher beschloss Corbis' Erzrivale Getty die Übernahme eines der größten Konkurrenten, Visual Communications Group (VCG), mittels eines Aktientauschs im Wert von 220 Millionen US-Dollar.

Sowohl Getty Images als auch Corbis besitzen nun die Rechte an der Vermarktung von etwa 70 Millionen Fotografien, Porträts und Gemälden. Gates' Firma zielt auf die breite Konsumentenschicht ab. In der Sammlung befinden sich berühmte Bilder wie Leonardo DaVincis Skizzen des menschlichen Körpers, das Porträt von Albert Einstein mit herausgestreckter Zunge oder die Challenger-Explosion. Dazu kommen 2.500 Werke des Naturfotografen Ansel Adams und Lizenzverträge mit Museen wie der Nationalgalerie in London.

Getty Images bedient -- insbesondere nach der Übernahme von VCG -- hauptsächlich den professionellen Markt, also Zeitungen, Zeitschriften oder Online-Angebote. Zu den Kunden zählen unter anderem renommierte Publikationen wie Cosmopolitan, Vanity Fair oder die New York Post. Doch auch auf die breite Masse hat Getty ein Auge geworfen. Die Übernahme von Art.com, einem Internet-Kunstverkäufer, bescherte dem Unternehmen Reproduktionen von Kunstwerken von Monet, van Gogh und Picasso und stärkte damit dessen Position auf dem Verbrauchermarkt.

Es scheint, als ob Gates und Getty nach und nach den gesamten digitalen Bildermarkt unter sich aufteilen wollten. So bestätigt auch Steve Weinstein, Analyst bei Pacific Crest Securitis in Portland, gegenüber der San Jose Mercury News: "Getty und Corbis sind die einzigen Firmen, die das Kapital, die Ressourcen und den Namen haben, um den Rest der Industrie unter sich zu vereinigen." Getty Images kann zwar mit einem etwa fünf Mal so hohen Umsatz aufwarten wie Corbis, jedoch seien beide als gleichwertige Rivalen im Kampf um die größte und hochwertigste Bildersammlung anzusehen. In diesem Jahr erwartet Weinstein 450 Millionen US-Dollar Umsatz bei Getty und 80 Millionen bei Corbis.

Nachdem mit den Übernahmen der letzten Woche der Kampf der Giganten um die großen Mitbewerber der Branche abgeschlossen ist, bleiben nur noch einige kleinere Konkurrenten übrig. Dennoch sieht Thomas K. Seligman, Direktor des Stanford University Museum of Art, keine Gefahr, dass eines Tages jedes Bild aus Corbis' oder Gettys Händen kommt. "Weltweit besteht ein Bedarf von Hunderten Millionen Bildern, und ich glaube nicht, dass irgendjemand diese letztendlich kontrollieren wird." (atr)