Betonmehl säubert Wasser
Forscher nutzen Schutt aus dem Baubereich, um belastete FlĂĽssigkeiten aufzubereiten.
- Hanns-J. Neubert
Forscher nutzen Schutt aus dem Baubereich, um belastete FlĂĽssigkeiten aufzubereiten.
Betonschutt von Gebäudesanierungen und Abbruchhäusern kann landwirtschaftlich belastetes Wasser reinigen. Anstatt den Schutt nur in Lärmschutzwällen und als Straßenunterbau zu verwenden, könnte er besser als Filterschicht in Rückhalteteichen dienen, in denen sich abfließendes Regenwasser von den umgebenden Feldern sammelt. Solche Teiche sind in Dänemark weit verbreitet, als Filter dient bisher ein Sandbett.
Melanie Sønderup von der Universität Süd-Dänemark in Odense hat nun aber herausgefunden, dass zu Staub zermahlener alter Beton das Wasser viel effektiver säubert. Denn dieser bindet vor allem Phosphor, den Sorgenstoff der Gewässerschützer.
Phosphor ist ein Pflanzennährstoff und deshalb Bestandteil der meisten Düngemittel. Was die Pflanzen auf den Äckern nicht verbrauchen, gelangt mit dem Regen in Flüsse, Seen und schließlich in die Küstenmeere. In den Gewässern sorgt er zusammen mit Nitrat für das gefürchtete übermäßige Algenwachstum, sogenannte Algenblüten. Sterben die Algen ab, sinken sie zu Boden und verfaulen dort. Dieser Zersetzungsprozess entzieht dem Wasser so viel Sauerstoff, dass Bodenorganismen absterben. Als sogenannter Minimumfaktor begrenzt Phosphat aber auch das Pflanzenwachstum.
Sønderup entdeckte bei Laborversuchen, dass zerstoßener Beton 90 Prozent dieses Phosphors aus Wasser entfernt. Die bisher üblichen Sandfilter schaffen lediglich 20 Prozent. Das war Grund genug, ein Großprojekt zu starten. So tauschte die Forscherin im Frühjahr dieses Jahres die Sandfilterschicht eines der 113 Wasserrückhalteteiche in der Gemeinde Apenrade auf Jütland gegen eine Schicht aus zermahlenem Beton aus. Das Experiment soll zwar noch bis März 2014 laufen, doch bereits jetzt ist klar, dass der Beton ganze Arbeit leistet und sich genauso verhält wie im Labor.
Der Grund ist der Zementanteil des Betons. Er bindet das Phosphat durch seinen hohen Gehalt an Kalzium, Aluminium und Eisen. Sønderups Experimente legen nahe, dass diese Eigenschaft über viele Jahre erhalten bleibt. Wie lange genau, muss die Praxis zeigen. Nachteil ist allerdings: Mit Beton, der über Jahrzehnte Witterungseinflüssen ausgesetzt war – etwa alten Brückenpfeilern –, funktioniert die Methode nicht. Dort haben Wind und Regen den Zement bereits ausgewaschen. (bsc)