Geld für nichts
Das derzeitige Strommarkt-Modell gerät durch die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien an seine Grenzen. Reformideen gibt es zuhauf. Was nun passieren muss.
- Eva Augsten
Das derzeitige Strommarkt-Modell gerät durch die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien an seine Grenzen. Reformideen gibt es zuhauf. Was nun passieren muss.
Wie jedes Jahr kam die Empörung Mitte Oktober. Wieder einmal kochten die Gefühle hoch, als die Netzbetreiber die neue Ökostromumlage für das kommende Jahr bekanntgaben. Ab Januar werden die Stromkunden nun 6,24 Cent pro Kilowattstunde bezahlen, um die Einspeisevergütung für Wind- und Sonnenstrom zu finanzieren.
In der vergangenen Legislaturperiode betrachtete Bundesumweltminister Peter Altmaier es als seine vornehmste Aufgabe, die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einzufrieren. Doch seine „Strompreisbremse“ scheiterte im April am Widerstand der Länder. Die neue Merkel-Regierung wird nun deutlich dickere Bretter bohren müssen, denn die steigende EEG-Umlage ist nur eine von vielen Baustellen. Der gesamte Strommarkt muss dringend reformiert werden.
Bisher betrachtete das schwarz-gelbe Kabinett die Einspeisevergütung nur als eine vorübergehende Starthilfe für die erneuerbaren Energien. Für die Photovoltaik etwa bedeutet dies: Sobald in Deutschland 52 Gigawatt installiert sind, soll Schluss sein mit der Förderung. Die Betreiber von neuen Solaranlagen müssen ihren Strom dann auf dem freien Markt vertreiben. Nur: Es ist fraglich, ob es einen solchen Markt dann noch geben wird.
Bisher orientierten sich die Strompreise nämlich an den Brennstoffkosten der konventionellen Kraftwerke. Da Windräder und Solarmodule keinen Brennstoff benötigen, kennen sie auch keine solchen „Grenzkosten“ – sie können ihren Strom praktisch unbegrenzt billig anbieten und sich gegenseitig die Preise kaputtmachen.
Schon der Anteil von gerade einmal fünf Prozent Solarstrom im Jahresmittel hat die frühere mittägliche Preisspitze in eine Delle verwandelt. Für Windstrom erhält man heute im Schnitt nur noch etwa neunzig Prozent des durchschnittlichen Börsenpreises. Das führt zu einer paradoxen Situation: Wind und Sonne machen zwar den Strom an der Börse billiger, doch dadurch erhöht sich gleichzeitig auch die EEG-Umlage, denn diese berechnet sich aus der Differenz zwischen Einspeisevergütung und Börsenpreis. Während industrielle Großverbraucher, die ihren Strom direkt an der Börse kaufen, vom Preisverfall profitieren, müssen Haushaltskunden draufzahlen – und zwar laut Christoph Schmidt, Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), mehr als 20 Milliarden Euro allein 2013. Er hat hochgerechnet, dass es im Jahr 2020 ein Betrag von knapp 59 Milliarden Euro sein wird, wenn alles weiterläuft wie bisher.
Die neue Regierung muss sich also Gedanken machen, wie sich die Kosten für die Erneuerbaren gerechter verteilen lassen, ohne deren Zubau komplett abzuwürgen. Und sie muss die Stromversorgung von trägen, aber verlässlichen Großkraftwerken in ein Zusammenspiel dezentraler Erzeuger überführen.
Wie also lassen sich Markt und Erneuerbare vereinen?
(grh)