bookmarks – zeigt Wissenspeicher von der Keilschrift bis YouTube

Eine Ausstellung in Hannover wirft ein Licht auf Paradigmenwechsel in der Wissensproduktion.

vorlesen Druckansicht 7 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von

Martin Luthers Übersetzung des neuen Testaments aus dem Jahre 1522, eine Keilschrift aus dem 8. Jahrhundert und YouTube-Videos – die hannoversche Kestnergesellschaft versammelt in ihrem Ausstellungsprojekt bookmarks | Wissenswelten von der Keilschrift bis YouTube Exponate, die nur auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Das in Zusammenarbeit mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek und der Leibniz Universität Hannover realisierte Projekt soll ein Licht auf Paradigmenwechsel in der Wissensproduktion werfen.

Als Beispiele für klassische Formen der Wissensproduktion sind unter anderem Teile des Nachlasses des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz zu sehen, darunter ein Neujahrsbrief an Herzog Rudolf August von Wolfenbüttel, in dem er das binäre Zahlensystem erklärt. Der Brief ist Teil des von der UNESCO in das Register des Weltdokumentenerbes aufgenommenen Briefwechsels des Universalgelehrten. Erstmals öffentlich zu sehen ist auch eine Rechenmaschine von Leibniz. Alle Ausstellungsstücke sind auch auf der Homepage des Projekts dokumentiert.

YouTube steht als besonders beliebtes Beispiel einer internetbasierten Wissenskultur, die sich innerhalb weniger Jahre zur selbstverständlichen kulturellen Praxis entwickelt. Maximilian Engelmann, einer der Kuratoren des Projekts, sieht die Website als "Trainingslager für neue Rezeptions- und Produktionsweisen". Jugendliche aus aller Welt trainierten hier ihren Umgang mit Wissen und der Welt.

Dementspechend fungiert das Videoportal im Rahmen des Projekts zugleich als Exponat – auf PCs können sich Besucher Beiträge eines eigens eingerichteten YouTube-Kanals ansehen –, als auch als Experimentierlabor. Besucher der Site sind aufgerufen, eigene YouTube-Playlists zusammenzustellen.

Die Ausstellung sei ein Experiment mit ungewissem Ausgang, betonen die Macher. Was die Besucher an den Computer-Stationen anstellen und welche Erkenntnisse sie gewinnen, ist völlig offen. Um das Experiment theoretisch zu unterfüttern, gibt es eine umfassende Vortragsreihe mit internationalen Referenten. Den Anfang macht An anthropological introduction to YouTube. "bookmarks" läuft noch bis zum 15. Februar. (jo)