Der lange Atem des Silicon Valley
Technologiegrößen wie Ebay-Gründer Pierre Omidyar und vor ihm Amazon-Chef Jeff Bezos investieren in Medienunternehmen. Werden sie den Journalismus retten? Ja, aber anders als viele denken.
- Robert Thielicke
Technologiegrößen wie Amazon-Chef Jeff Bezos und nun auch Ebay-Gründer Pierre Omidyar investieren in Medienunternehmen. Werden sie den Journalismus retten? Ja, aber anders als viele denken.
Schlagzeilen machte Pierre Omidyar vergangene Woche vor allem mit einer Personalie: Er überzeugte Glenn Greenwald, den Journalisten hinter den Snowden-Dokumenten, mit ihm eine Nachrichtenseite zu gründen. 250 Millionen Dollar steckt der Ebay-Gründer in sein Vorhaben. Zuvor schon hatte Jeff Bezos die Washington Post gekauft, zufälligerweise ebenfalls für 250 Millionen Dollar. Beide befinden sich in bester Gesellschaft: Laurene Powell Job, Witwe des Apple-Gründers Steve Jobs, steckte kürzlich Geld in das Nachrichten-Startup Ozy Media, Facebook-Mitgründer Chris Hughes nutze einen Teil seiner geschätzten 850 Millionen Dollar aus dem Börsengang des sozialen Netzwerks, um „The New Republic“ zu kaufen. Die Beispiele zeigen: Journalistische Produkte sind noch lange nicht tot. Für wen aber leben sie in Zukunft?
Der Verdacht liegt nahe und viele haben ihn geäußert, dass sich reiche Menschen Medienverlage als persönliche Spielwiese einverleiben. In der Tat beherrscht den US-amerikanischen Technologiesektor und ganz Besonders das Silicon Valley ein bisweilen missionarischer Eifer, die Welt zu verbessern. Was liegt da näher, als große Zeitungen in Plattformen zu verwandeln, um diesen Glauben zu verbreiten? Die Gefahr mag bestehen, aber die Sichtweise lässt außer Acht, dass den Bezos und Omidyars eines noch wichtiger als die Verbesserung der Welt: dass sich die Mission auch rechnet. Sie kaufen keine Zeitung oder gründen keinen Nachrichtendienst, um dann den Rest ihres Lebens ihre Herstellung zu subventionieren.
Sie wissen erstens: Gute Informationen sind Gold wert. Zweitens: So billig wie derzeit kommen sie nie wieder an Unternehmen, die dieses Gold schürfen und mit ihm handeln. Und sie ahnen drittens: Gratis wird es dieses Gold im Netz nicht mehr lange geben. Denn alle Verlage merken, dass bloße Werbung die Branche nicht rettet. So läuft derzeit ein Marathon: Wessen Atem ist lang genug, damit er das Ende der Gratis-Inhalte noch erlebt? Viele Magazine, Zeitungen und Online-Seiten werden auf der Strecke bleiben. Aber jenen, die ins Ziel kommen, winkt ein gutes Geschäft.
Darauf warten die Technologie-Millionäre und -Milliardäre. Natürlich werden sie technologische Neuerungen einführen, Informationen übersichtlicher aufbereiten, ihre Beschaffung bequemer gestalten, praktikable Bezahlsysteme einführen. Der zentrale Punkt aber ist: Sie haben genug Geld, um die Dürre zu überstehen, bis Leser für Inhalte wieder Geld bezahlen. Bis dahin werden sie versuchen, möglichst viel Konkurrenz aus dem Weg zu räumen und jenen, die keinen Großinvestor im Rücken haben, das Leben erst recht schwer machen. (rot)