T-Systems bietet Mietspeicher für Medizinarchive

Auf der zu Ende gehenden Medizin-IT-Messe ConhIT in Berlin stellten T-Systems und Visus eine Speicherlösung für die Langzeitarchivierung medizinischer Klinikdaten vor und folgen damit dem auf der Messe diskutierten Trend zur Telemedizin.

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Von
  • Detlef Borchers

Auf der Medizin-IT-Messe ConhIT in Berlin haben T-Systems und Visus eine Speicherlösung für die Langzeitarchivierung medizinischer Klinikdaten vorgestellt. Bei der Anmietung des Langzeitarchivs können Krankenhäuser wählen, ob sie nach Speichervolumen oder nach Speicherjahr bezahlen. Als ersten Partner haben die Firmen die Augusta-Stiftung in Bochum gewinnen können, die das Archiv ihrer drei Krankenhäuser mit einem Startvolumen von 10 Terabyte von T-Systems und Visus verwalten lässt.

Mit Archivangebot bei T-Systems ist ein Supportservice bei Visus verbunden, der im Fall einer Hardwaremigration in der Klinik die möglicherweise notwendige Migration der Daten im Rahmen der vorgeschriebenen Aufbewahrungsdauer übernimmt. Die Entscheidung für Visus als Partner für seine "Mietsilos" fußt auf Erfahrungen mit der Teleradiologieanwendung JiveX, mit der Visus einen Service für Krankenhäuser anbietet, die keine eigene Radiologie-Abteilung betreiben. Dabei übernimmt Visus die Langzeitspeicherung der Aufnahmen und den Versand an die Befund erstellenden Mediziner.

Allgemein zeichnete auf der zu Ende gehenden ConhIT ab, dass Teleradiologie und Teleneurologie das Bild der Krankenhausmedizin in den kommenden fünf Jahren komplett verändern werden. Unabhängig von der mit der elektronischen Gesundheitskarte und dem Heilberufsausweis einzurichten telematischen Infrastruktur wird die Telemedizin und besonders der Datenzugriff aus der Ferne eine tragende Rolle spielen.

Mit den juristischen Folgen des Ersatzes des Papiers durch digitale Archive beschäftigte sich auch der Begleitkongress zur Messe. Der Hamburger Rechtsanwalt Ivo Geis widmete sich in einem ausgesprochen munteren Vortrag der Beweissicherheit elektronisch archivierter Dokumente. Er machte seine Zuhörer darauf aufmerksam, dass sie sich nach dem ordnungsgemäß dokumentierten Scannen vom Papierbeleg trennen können und dabei nicht dem "deutschen Signaturfimmel" unterliegen sollen. Der ordnungsgemäße Scan sei für die Beweissicherheit ausreichend, während die Integration einer qualifizierten Signatur allenfalls erklären könne, dass das Dokument von einer bestimmten Person eingescannt wurde. Auch bei der Archivierung originär elektronischer Dokumente ist laut Geis die Signatur nur dann nötig, wenn ein Dokument als Urkunde gelten soll. Werden ansonsten elektronische Dokumente ordnungsgemäß unter Kontrolle der Integrität und ohne Medienbruch archiviert, so sei das für die Beweissicherheit von Dokumenten ausreichend.

Mit den Auswirkungen der Telemedizin setzte sich der IT-Gutachter Armin Gärtner auseinander, der zum Spannungsverhältnis von Medizinproduktegesetz (MPG) und IT-Technik referierte. Unter Verweis auf eigene Erlebnisse wie dem, einen Uralt-PC unter Windows 95 als Steuerrechner eines Narkosegerätes in einem OP-Raum vorzufinden, beschrieb er den Kampf der Medizintechniker gegen gefährliche IT-Installationen. Zu diesen zählte Gärtner auch die Nutzung entfernter Archive oder die Fern-Befundung von Ärzten an IT-Monitoren, deren (Graustufen-) Auflösung gar nicht ausreichten, eine Röntgenaufnahme ausreichend scharf darzustellen. "Was ist, wenn Sie operieren wollen, ein Bild brauchen und das Netzwerk fällt aus?"

Gärtner berichtete von seiner Arbeit in der IEC-Arbeitsgruppe "Risikomanagement vernetzter Medizinprodukte (IEC Draft 8001) und empfahl seinen Zuhörern, das Augenmerk auch auf die Software zu richten. Wer Computertechnik nach dem MPG in Praxis und Klinik einsetze, müsse auch darauf achten, dass die Software nach DIN EN 62304 entwickelt wurde und regelmäßig mit Patches oder den neuesten Antivirenschützern gewartet werde. Zur rasanten Entwicklung der Teleradiologie und ähnlicher Techniken im Verein mit dem Internet bedauerte Gärtner, dass das MPG nichts zur Vernetzung sagt, während gleichzeitig die Techniker in den Kliniken kaum bereit seien, sich mit Angriffsszenarien auf die IT zu beschäftigen: "Die haben leider auch so genug zu tun." (Detlef Borchers) / (vbr)