Steaks aus dem Labor?

Norwegische Wissenschaftler erkunden Möglichkeiten der industriellen In-Vitro-Produktion von Muskelfleisch

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Von
  • Thomas Pany

Gestern ging eine in Norwegen ein Technologietagung zu Ende, die sich mit Ernährungsfragen beschäftigte. Im Zentrum des "ersten internationalen In-Vitro-Fleisch-Symposiums" in Aas, standen Fragen nach den Möglichkeiten einer groß angelegten Produktion von tierischem Muskelfleisch im Labor, das eine Alternative zur Massentierhaltung bereitstellen könnte.

Die herkömmliche Produktion von Fleisch hat beträchtliche Schattenseiten, wie etwa die Massentierhaltung, die nicht nur Tierschützer und -freunde berührt, sondern zunehmend auch jene, die sich Sorgen über den CO2-Ausstoß machen: Die Fleischproduktion soll für insgesamt mehr als ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sein, für Weideland werden wichtige Teile des Regenwaldes geopfert und mittelbar trägt diese Art der Nahrungsproduktion auch zu den erhöhten Lebensmittelpreisen bei, die momentan weltweit für so genannte Hungerrevolten sorgen.

Ethische und ökologische Gründe für die Herstellung von Fleisch ohne Tierhaltung gibt es also genug. Dass sie grundsätzlich möglich ist, haben Wissenschaftler schon seit längerem bewiesen. Die Frage ist nur, ob eine massenhafte Produktion von derart kultiviertem Fleisch möglich und wirtschaftlich lohnend ist. Dazu hat Stig W. Omholt von der norwegischen University of Life Sciences gestern bei dem oben genannten Symposium eine Studie vorgestellt, die ermitteln sollte, zu welchem Preis die Laborproduktion von Fleisch möglich wäre.

Ergebnis seiner Kalkulationen, die auf dem Barwert-Model ("net present value – NPV") beruhen: Wahrscheinlich könnte man größere Mengen von kultiviertem Fleisch für den Preis von 3300 bis 3500 Euro pro Tonne herstellen. Dem stellt Omholt den Preis von 1800 Euro für eine Tonne nicht subventioniertes Hühnerfleisch gegenüber. Für den Wissenschaftler ist dies ein Ergebnis, das Investitionen in diese Technologie sinnvoll erscheinen läßt.

Gleichwohl macht sein Papier deutlich, dass sich Kosten für Forschung und Entwicklung, sowie die nötige PR-Arbeit für die In-Vitro-Produktion von Muskelfleisch gar nicht abschätzen lassen – für seine Berechnungen hat er sie ignoriert. Entscheidende technische Fragen, die für eine industrielle Produktion wichtig sind, wie zum Beispiel die Herstellung von sehr großen, sauberen, nicht-tierischen Wachstumsmilieus für die Zellen, sind ebenfalls noch nicht geklärt. ()