China nimmt an ARD-Umfrage zu Fackellauf-Abbruch teil

Die ARD hatte eine Umfrage gestartet, bei der gefragt wurde, ob der zu den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin eingeführte Fackellauf diesmal abgebrochen werden soll oder nicht – und wundert sich nun über eine rege Beteiligung Chinas.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Für China sind die Olympischen Spiele in Peking mindestens ebenso wichtig wie für Deutschland die vergangene Fußball-WM: Ein Auftritt auf der Weltbühne, den nach Möglichkeit keine noch so kleine atmosphärische Störung trüben soll. Während hierzulande die Bemühungen um einen reibungslosen Ablauf der Großveranstaltung nach Einschätzung des Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix unter anderem in "unverhältnismäßigen Massenüberwachungen" mündeten, hat für die chinesische Führung die heiße Phase der XXIX. Olympischen Sommerspiele gerade erst begonnen.

Nachdem schon der Transport des Olympischen Feuers quer über den Globus nach teilweise gewalttätigen Protesten gegen die Tibet-Politik Chinas eher einem Spießrutenlauf denn einer "Reise der Harmonie" gleicht, haben inzwischen zahlreiche Staats- und Regierungschefs ihre Anwesenheit bei der Eröffnung der Sommerspiele abgesagt oder zumindest in Frage gestellt. Weiteres Öl ins Feuer gießen zudem vorrangig westliche Medieneinrichtungen wie die ARD-Tagesschau, die von ihren politisch und sportkulturell geschulten Konsumenten wissen wollte, ob man den zu den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin eingeführten und seither gepflegten Fackellauf diesmal nicht gleich ganz abbrechen soll.

Klar, dass eine solche Umfrage "des größten offiziellen deutschen Fernsehprogramms, der Tagesschau der ARD", die Chinesen nicht kalt lässt. Wie die ARD am heutigen Montag berichtet, sollen inzwischen mehr als 7600 Webseiten aus der Volksrepublik dazu aufgerufen haben, an der Tagesschau-Umfrage zum Olympischen Fackellauf teilzunehmen. Man kann sich ausmalen, wie die Chinesen die Frage "Soll der Fackellauf abgebrochen werden oder nicht?" beantworten würden. Die ARD wundert sich nun aber darüber, dass die betreffende Seite noch immer ständig angeklickt wird, obwohl die Umfrage bereits längst beendet ist. Die Redaktion von tagesschau.de berichtet von "außergewöhnlich hohen Klickzahlen".

Eine Mitarbeiterin des ARD-Hörfunkstudios Peking schildert unter dem Titel "Chinesische Webseiten rufen zur Manipulation auf", für nicht Deutschkundige gebe es beispielsweise auf dem (derzeit nicht erreichbaren) chinesischen Internetportal douban.com eine Anleitung, wie man sich durch die Homepage der Tagesschau klicken müsse, um die Fackellauf-Umfrage zu finden. "Klicken sie dann auf gar keinen Fall "Ja", sondern "Nein" an, werde den Abstimmungswilligen erklärt. Dann folge die Warnung: "Denken Sie dran, klicken Sie nichts Falsches an!" Für die ARD klare Indizien, dass die Umfrage der Tagesschau beeinflusst werden soll. Wären da nur nicht die vielen Chinesen, die auch gerne mal ein Weltfest unter dem Motto "Zu Gast bei Freunden" feiern würden. (pmz)