Australien: Opposition fordert Ende der staatlichen Supermarkt-Empfehlung im Internet

Die australische Regierung hat eine Website ins Netz gestellt, die auflistet, welche Supermarktkette bestimmte Lebensmittel und Haushaltsartikel am günstigsten verkauft. Unmöglich findet die Opposition. Aldi ist im Übrigen auch vertreten.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Aldi schlägt die Konkurrenz: Ein sogenannter "Basic Staples Basket" ist in den Newcastle-Filialen des deutschen Discounters deutlich billiger.

Statistische Warenkörbe sind in der Bundesrepublik Deutschland nicht erst seit der Diskussion um den Minimalumfang von Hartz-IV-Leistungen zur Existenzsicherung von Arbeitslosen ein Thema in der Öffentlichkeit. Auf die Spitze der Durchschnittsberechnungen hatte es Anfang des Jahres der Berliner Innensenator Thilo Sarrazin (SPD) getrieben, der vorexerzierte, dass Arbeitslose im Rahmen seines "Hartz-IV-Speiseplans" durchaus mit einem Budget von unter vier Euro drei volle Mahlzeiten pro Tag zu sich nehmen könnten – Einkaufslisten mit genauen Grammangaben für die zu verwendenden Lebensmittel inklusive.

Auch die australische Regierung sorgt sich angesichts teilweise deutlich gestiegener Lebensmittelpreise in Down Under um den Geldbeutel der Bürger: Vor drei Wochen stellten Premierminister Kevin Rudd und der für Verbraucherangelegenheiten zuständige Ressortchef Chris Bowen die Initiative GROCERYchoice vor, eine Website, auf der für insgesamt 61 Regionen im Land aufgelistet wird, bei welchen Supermarktketten bestimmte Lebensmittel- und Haushaltsartikel-Warenkörbe derzeit am günstigsten zu erhalten sein sollen – vom "Fleisch und Meeresfrüchte"-Korb über "Brot und Müsli" bis hin zu "Haushaltswaren und Körperpflege".

Zu den Supermarktketten, die im Rahmen von GROCERYchoice regelmäßig von Testkäufern besucht werden sollen, gehören den Angaben zufolge unter anderem Woolworths, Safeway, Coles, BI-LO, IGA, Fanklins sowie die Aldi-Gruppe, die seit 2001 in Australien aktiv ist und dort rund 170 Filialen betreibt. Doch ob das Angebot der Labour-Regierung noch lange im Netz stehen wird, ist derzeit fraglich. Denn die Opposition im australischen Parlament, allen voran Luke Hartsuyker, Schattenminister der National Party of Australia, fordert eine sofortige Schließung der Website.

"Die einzigen Personen in Australien, die denken, dass GROCERYchoice dem Verbraucher irgendwie hilft, sind offenbar der Premierminister und der Minister für Verbraucherangelegenheiten", hält Hartsuyker fest, dem Vertreter von kleineren Unternehmen derzeit die Tür einrennen. "Die Seite ist einfach absurd, weil sie nicht berücksichtigt, dass es zahlreiche Alternativen zu den großen Supermarktketten gibt", verdeutlicht Hartsuyker. So könnten unabhängige Märkte Waren mitunter billiger bei lokalen Erzeugern einkaufen und selbst einzelne Supermärkte der großen Ketten würden häufig Waren zu unterschiedlichen Preisen anbieten. Dies fließe in die Warenkorbberechnungen aber nicht ein. Bei GROCERYchoice gibt es zwar eine Kategorie "Independents", welche Anbieter dies sind, ist aber unklar.

"Die traurige Realität ist, dass diese Internetseite einen negativen Einfluss auf den ganzen Supermarkt-Sektor ausübt, weil sie den Großen der Branche kostenlos Werbung verschafft", fasst Hartsuyker zusammen. Bestätigt in seiner Meinung sieht sich der Schattenminister nicht zuletzt durch die Zugriffszahlen der Website: Wurden ihm zufolge für GROCERYchoice in der ersten Woche 2,3 Millionen Zugriffe gezählt, waren es in der zweiten Woche nur noch 300.000. (pmz)