Malaysia: Parlamentarier fordern DNA-Zwangserfassung von Babys
In Kuala Lumpur debattieren Volksvertreter derzeit über ein Gesetz, das Grundlage für den Aufbau einer DNA-Datenbank in Malaysia sein wird. Gefordert wurde bereits eine DNA-Zwangserfassung von Dienstmädchen, weil diese so häufig weglaufen würden.
Im Abgeordnetenhaus (Dewan Rakyat) von Kuala Lumpur haben malaysische Volksvertreter am heutigen Dienstag erneut über die endgültige Ausgestaltung eines Gesetzes (PDF-Datei) diskutiert, das Grundlage für den Aufbau einer nationalen DNA-Datenbank in dem südostasiatischen Staat sein wird. Nach Angaben des Innenministers von Malaysia, Datuk Seri Syed Hamid Albar, soll mit dem "DNA Bill 2008" oder auch "DNA Identification Act" genannten Gesetz vor allem die Aufklärungsrate bei Verbrechen erhöht werden. Ungeklärt ist aber bislang, wer zur Abgabe von DNA-Proben verpflichtet werden soll: Zunächst nur Straftäter, Häftlinge und Drogenabhängige oder prophylaktisch gleich ganze Bevölkerungsgruppen?
Geht es nach den Abgeordneten Dr. Mohd Puad Zarkashin von der regierenden Nationalen Front (Barisan Nasional, BN) und Dr. Mohd Hayati Othman von der oppositionellen Islamistischen Partei (Parti Islam Se-Malaysia, PAS), sollen beispielsweise in Zukunft Profile von allen Neugeborenen in der neuen DNA-Datenbank hinterlegt werden. "DNA-Muster sind wichtig, wenn es zu Unfällen kommt, bei denen die Opfer nicht einmal mehr über ihre Fingerabdrücke identifiziert werden können", zitiert die malaysische Tageszeitung New Straits Times den PAS-Vertreter. Babys will er deshalb schon unmittelbar nach der Geburt Nabelschnurblut entnehmen und die Proben in der DNA-Datenbank deponieren lassen.
Mit welchen Gedanken sich die Politiker bei der DNA-Datenbank-Planung noch befassen, zeigt unter anderem ein Bericht der Zeitung The Star zur parlamentarischen Debatte am gestrigen Montag. Danach erteilte der stellvertretende Innenminister Datuk Chor Chee Heung einem weiteren Antrag von Puad Zarkashi eine Absage, der gefordert hatte, dass von sämtlichen Dienstmädchen im Land DNA-Proben genommen werden sollten, weil diese so häufig weglaufen würden. Den Angaben zufolge flüchteten allein im vergangenen Jahr rund 12.000 meist ausländische Mädchen und junge Frauen vor ihren Arbeitgebern. Chor Chee Heung begründete seine ablehnende Haltung damit, dass man nicht sicher sei, dass die Kosten für solche DNA-Tests von den Arbeitgebern auch übernommen würden. (pmz)