Nutzer sind zu faul für ENUM

Da nur wenige Nutzer von der Möglichkeit Gebrauch machen, ihre Telefon- und Online-Kontakte einheitlich mit tElephone NUmber Mapping zu organisieren, könnte die Zukunft des Systems in der Verwaltung durch Provider liegen.

vorlesen Druckansicht 335 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Monika Ermert

Als Public User ENUM (tElephone NUmber Mapping) an den Start ging, sorgte das Konzept, Rufnummern als Internet-Domains zu verwalten, für einige Euphorie. Der Nutzer sollte damit zentral und in eigener Regie sein wachsendes Portfolio an Internet-Adressen sowie Telefon-, Mobilfunk- und VoIP-Nummern verwalten. Beim 10. ENUM-Tag der Denic räumten die Experten jedoch ein, dass die Registrierungen stagnieren. Unter .9.4.e164.arpa, der deutschen ENUM-Zone, sind zwei Jahre nach dem kommerziellen Start, bei dem rund 3600 Testdomains übernommen wurden, gerade mal 7397 Rufnummern eingetragen. Nutzern ist es einfach zu viel, sich selbst um den Eintrag ihrer Rufnummer über einen der 90 deutschen ENUM-Provider zu kümmern, sagt George D. Salisbury, Berater bei Detecon International.

Noch will sich die Denic nicht festlegen, ob man etwa dem Beispiel der österreichischen Kollegen folgt, und Infrastructure-ENUM einrichtet, über das die Internet- und VoIP-Provider Routing-Informationen austauschen. "Erst bedarf es eines Modells wie man es macht und der erklärten Nachfrage vom Markt", sagte Denic-Chefin Sabine Dolderer gegenüber heise online. Die Entscheidungen, ob man gemeinsam ein Modell entwickelt, in dem dann auch Regeln abgebildet werden, und wer wie und zu welchen Bedingungen Routing-Informationen erhält, stehe aus. Nur, wer soll die Entscheidung treffen? Große Netzbetreiber, bei denen die meisten Rufnummern liegen, fürchten ENUM teilweise wie der Teufel das Weihwasser. Für wenige kleine Anbieter lohnt sich die Investition aus Sicht der Denic kaum.

In Großbritannien hat man aus dem bescheidenen Fortschritt von Nutzer-ENUM die Konsequenz gezogen. Laut Tony Holmes von der British Telecom, implementiert das UK Enum Consortium einen flexiblen Ansatz unter dem Motto "Carrier registration in user ENUM" (CRUE). Unter 44.e164.arpa werden also Netzbetreiber Rufnummern ihrer Kunden, Rufnummernblöcke und Routing-Informationen ablegen, Nutzer müssen davon gar nichts wissen. Dass man dies dennoch noch als Nutzer-ENUM bezeichnet, begründet Holmes damit, dass ein Nutzerantrag auf Registrierung seines ENUM-Eintrags weiterhin Vorrang habe. Selbst wenn eine Nummer bereits delegiert ist, könne der Nutzer deren Änderung veranlassen, sagte Holmes gegenüber heise online. Die Zwitterlösung soll erst einmal rasch helfen, die ENUM Nutzung anzukurbeln.

Die Idee von ENUM als Möglichkeit, zentral Routing-Informationen verschiedener Provider auch über verschiedene Netzwerktypen auszutauschen, findet sich laut Holmes dabei prominent in Vorschlägen der TISPAN-Arbeitsgruppe des European Telecommunications Standards Institute (ETSI). Der TISPAN-Vorschlag neige dabei stärker in Richtung Infrastruktur/Carrier-ENUM. Er ähnele dabei zugleich dem Entwurf des Verbands der Mobilfunknetzbetreiber, der GSM Association (GSMA). Die GSMA arbeitet seit der Einrichtung eines privaten ENUM-Systems auch an einem zentralen, hierarchischen IP-Routing. Holmes beschrieb in Frankfurt die Möglichkeit, die geplante UK-ENUM-Datenbank in ein solches System einzubringen. (Monika Ermert) / (ad)