Werbung hält Einzug auf Google News
Google versucht neue Einnahmequellen zu erschließen: US-Nutzer bekommen ab sofort Textanzeigen eingeblendet, wenn sie nach Nachrichten suchen. Zwei unrentable Nischenprodukte werden eingestellt.
Nicht nur bei der normalen Suche, auch auf den Ergebnisseiten von Google News blendet der Suchmaschinenbetreiber ab sofort Textanzeigen ein – zunächst aber nur in den USA. Google teilt diese Werbeeinnahmen nicht mit den Medienhäusern, deren Inhalte von der News-Suche erfasst werden. Kritische Reaktionen der Verlage sind deshalb zu erwarten.
Google wolle mit dem neuen Angebot Nutzer, Werbetreibende und Verlage gleichermaßen zufrieden stellen, schreibt Produktmanager Josh Cohen im Google News Blog. Die meisten Zeitungsverlage betrachten den Dienst allerdings mit zwiespältigen Gefühlen: Zwar landen über ihn zusätzliche Besucher auf ihren Webseiten – andererseits bedient Google sich aber nach Belieben bei den Nachrichtenseiten, ohne um Erlaubnis zu fragen.
Einen Verstoß gegen das deutsche oder US-amerikanische Urheberrecht stellt Google News nicht dar, denn es werden nur die ersten Zeilen der Artikel kopiert. Nun aber verdient Google an diesen fremden Inhalten und drängt mehr zu den gleichen Werbetöpfen wie die Verlage. Vor zwei Jahren war der belgische Verlegerverband Copiepresse deshalb vor Gericht gezogen und konnte durchsetzen, dass Google die Inhalte seiner Mitgliedsverlage nicht mehr ohne Genehmigung veröffentlichen darf.
Der PR-Manager Steve Rubel äußert in seinem Blog die These, dass Firmen und Interessengruppen die Textanzeigen in Zukunft als PR-Instrument gebrauchen würden: "Viele Firmen werden Werbeflächen auf Google News kaufen, um Einfluss zu erhalten, nicht um Klicks zu generieren." Ein anderer Blogger entdeckte bereits eine Textanzeige mit einer Nachrichten-Ente als Überschrift ("Obama von russischem Spion erschossen").
Während Google also versucht, über die Ausweitung der Textanzeigen mehr Einnahmen zu generieren, wird an anderen Enden gespart: Eine Funktion von AdWords, mit der Werbeanzeigen für WAP-Seiten aufbereitet werden können, wird am 30. März eingestellt. Eine Woche später nimmt Google ein weiteres Nischenprodukt, die Social-Bookmarking-Plattform Shared Stuff, aus dem Netz. (cwo)