Erfolgreiches Medienprojekt fĂĽr Jugendliche

Jugendliche und junge Erwachsene drehen im Rahmen eines Wuppertaler Projekts Amateurfilme, die sich bemerkenswert gut verkaufen.

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Von
  • Ulrike HeitmĂĽller

Das Wuppertaler Medienprojekt bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 14 bis 28 die Möglichkeit, Filme zu drehen. Sie können ein professionelles Equipment und Schnittplätze nutzen, und erfahrende Filmemacher zeigen ihnen, wie das Ganze funktioniert. So entstehen vor allem kurze Dokumentarfilme. Wenn mehrere Beiträge zu einem Thema fertig sind, werden sie zunächst öffentlich vorgeführt und sodann auf DVD verkauft, vor allem an Schulen und Bildungsträger.

Das Medienprojekt gibt Schwerpunktthemen vor, etwa "schwach", "Gewalt", oder "Liebe", und die Jugendlichen können sich bewerben, einen dazu passenden Film zu drehen. Ein Drittel der 400.000 Einwohner Wuppertals sind Migranten, sagt Andreas von Hören, Gründer und Geschäftsführer des Medienprojektes, und scheinbar sind vor allem junge Migranten muslimischen Glaubens scharf darauf, ihr Leben vom muslimischen Standpunkt aus zu zeigen. Im Jahr 2005 lautete ein Schwerpunkt "Jung und Moslem in Deutschland", und dies wurde ein solcher Erfolg, dass das Thema im darauffolgenden Jahr verlängert wurde.

Moslems haben nicht ganz zu Unrecht oft das Gefühl, dass sie in den Medien vor allem als Terroristen oder Kriminelle auftauchen. In Wuppertal haben sie die Möglichkeit, sich mit ihrem ganz normalen Alltagsleben zu zeigen. Sie nutzten die Gelegenheit und drehten in den beiden Jahren 40 Kurzfilme über ihren Alltag in Deutschland, die zu vier DVDs zusammengefasst wurden.

Die Filme handeln von Keuschheit und sexueller Aktivität, von Kopftüchern für Mädchen und der Beschneidung der Jungen, einige wurden von liberalen Aleviten produziert, andere von Mitgliedern der fundamentalistischen Organisation Milli Görüs. "Das ist keine einheitliche Gruppe, sondern sehr verschiedene Blickweisen, sagt Andreas von Hören, "wir bewerten das nicht, sondern glauben, dass die Zuschauer kompetent genug sind, sich selber ein Bild zu machen."

Auch nachdem die beiden Serien über "Jung und Moslem in Deutschland" beendet waren, wollten die jungen Leute ihren Alltag weiterhin zeigen. Erst vor einigen Wochen wurde ein Film, 45 Minuten lang, über eine muslimische Jugendgruppe veröffentlicht, die in den Osterferien 2008 nach Mekka und Medina auf Pilgerreise "Umra" gingen. "Umra" wird auch manchmal "kleine Hadsch" genannnt, es ist eine Pilgerreise mit weniger religiösen Pflichtene und kann zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden. Der Film "Besuch beim Propheten" will das religiöse Erleben der Jugendlichen zeigen, was der Besuch der heiligen Stätten für sie bedeutet, und welche Konsequenzen sie aufgrund der Pilgerreise für ihr weiteres Leben ziehen.

Andreas von Hören hat das Medienprojekt vor 20 Jahren innerhalb der Stadt gegründet, vor etwa fünf Jahren wurde es als gemeinnütziger Verein ausgegründet. Es gibt zweieinhalb feste Stellen, für die einzelnen Filmprojekte werden 25 Freiberufler eingestellt. Das Medienprojekt wird zu einem Drittel mit einem Betriebskostenzuschuss von der Stadt finanziert, ein weiteres Drittel kommt durch jeweils akquirierte Fördermittel, und der Rest besteht aus Einnahmen aus dem eigenen Verlag, denn die Filme werden als DVD verkauft.

Das kann sich sehen lassen, sagt Andreas von Hören: "Das wird als Bildungsmittel für Jugendarbeit vertrieben, und da sind wir konkurrenzlos, wir sind die einzigen, die Amateurfilme auf so einem Niveau herausgeben, und haben einen hohen Absatz." Pro Jahr gebe es ungefähr 100 Filmprojekte, das ergebe in 20 Jahren ungefähr 2000 Filme, also etwa 200 bis 250 DVDs. Jeder Film werde in den ersten drei Jahren nach Erscheinen von mehreren 10.000 Jugendlichen gesehen, von der Jung und Moslem-Reihe wurden 500 bis 1000 DVDs verkauft. "Und zwar nicht an Privatkunden, sondern an Bildungsmultiplikatoren, und wenn jeder Film von zwei Klassen gesehen wird, was noch wenig ist, dann macht das pro Film 50 bis 100.000 Zuschauer", zählt von Hören zusammen. (Ulrike Heitmüller) / (vbr)