Yahoo Japan versucht, Internetnutzer von Selbstmordabsichten abzubringen

In Japan gibt es seit einigen Jahren das Phänomen, dass sich Menschen über das Internet zum kollektiven Selbstmord verabreden oder andere bitten, ihnen bei der Selbstötung zu helfen.

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Von
  • Florian Rötzer

Yahoo Japan hat begonnen, auf Webseiten auf eine Beratung hinzuweisen, wenn nach Begriffen oder Sätzen gesucht wird, die mit Selbstmord verbunden sind. So wird beispielsweise nach der Eingabe der Formulierung "shinitai" (Ich will sterben) als erster Treffer ein Beratungszentrum mit dem Slogan "Selbstmord kann verhindert werden" angegeben.

In Japan verabreden sich immer wieder Menschen über das Internet, um kollektiv Selbstmord zu begehen. Das Land hat weltweit eine der höchsten Selbstmordraten. Von den über 30.000 Menschen, die sich 2006 selbst umgebracht haben, sollen sich dafür knapp über 100 im Internet mit Gleichgesinnten verabredet haben. Seit 2005 kontrolliert die japanische Polizei solche Webseiten. Wenn dort über Möglichkeiten informiert wird, wie man Selbstmord begehen kann, und Mittel zum Selbstmord angeboten werden, nehmen die Internetprovider sie vom Netz. Das aber hat das Phänomen nicht ganz beseitigen können.

Am vorigen Wochenende wurde eine Frau tot aufgefunden, zwei Männer und eine Frau konnten noch halbvergiftet aus einem Fahrzeug gerettet werden. Die Polizei nimmt an, dass es sich auch hier um einen solchen Selbstmordpakt handelt. Im Oktober wurde der Betreiber einer Webseite über Selbstmord verhaftet. Der 33-jährige Mann soll eine 21-jährige Frau getötet haben, die ihn über E-Mails darum gebeten und ihm dafür auch Geld bezahlt habe. Er soll der Frau große Mengen an Schlaftabletten gegeben und sie dann mit einer Plastiktüte erstickt haben. Zudem wird er verdächtigt, Schlaftabletten an weitere Personen verkauft zu haben. (fr)