Technologie-Börse Nasdaq überschreitet 5000er-Grenze

Hintergrund: Die Technologiebörse Nasdaq hat erstmals die Grenze von 5000 Punkten überschritten. US-Experten warnen aber vor übertriebener Euphorie.

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Von
  • Christian Rabanus

Erstmals in seiner Geschichte hat der Nasdaq-Composite-Index am Dienstag die 5000er-Marke überschritten. Während des regulären Handels kletterte er kurzfristig auf einen Höchststand von 5006,78 Punkten, schloss allerdings bei 4.847,84 Punkten. Der Dow-Jones-Index fiel am Dienstag um 374,47 Punkten und schloss bei 9.796,03, also unterhalb der Grenze von 10.000 Punkten.

Die Entwicklung der beiden Indices ist damit gegenläufig. Der von Werten der klassischen Industrie bestimmte Dow-Jones fällt seit seinem Hoch von über 11.500 Punkten Mitte Januar kontinuierlich. Inzwischen hat er ungefähr den Stand von vor einem Jahr erreicht. Der aus Technologiewerten gebildete Nasdaq-Composite-Index dagegen steht momentan doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Er übersteigt in immer kürzeren Abständen eine Tausendermarke nach der anderen. Die ersten 1000 Punkte erreichte der Technologie-Index 1995, 24 Jahre nachdem er am ersten offiziellen Handelstag der Nasdaq am 8. Februar 1971 auf den Wert 100 festgesetzt wurde. Für die nächsten tausend Punkte brauchte er nur noch drei Jahre. Im Jahr 1999 überschritt er dann sowohl die 3000er-, also auch die 4000er-Marke. Und nach einer kurzen Schwäche zu Beginn diesen Jahres, als er noch einmal unter 4000 Punkte fiel, geht es seitdem wieder bergauf.

Allerdings ruft dieser Aufschwung nicht nur positive Reaktion hervor: Während er die Anleger freut, sind Nationalbank und Börsenaufsicht skeptisch. Auf einem Anfang der Woche vom Boston College veranstalteten Seminar über die so genannte New Economy warnten Alan Greenspan, Vorsitzender des Federal Reserve Systems, und Arthur Levitt, Präsident der Securities and Exchange Commission, vor den Risiken, die mit der rasanten Entwicklung des Nasdaq verbunden sind.

Greenspan wies zum wiederholten Male auf seine Sorge hin, dass die Wirtschaft zu schnell im Verhältnis zu den verfügbaren Arbeitskräften wachse und sich zunehmend von Importen abhängig mache. "Die Nachfrage nach Konsumgütern und Dienstleistungen darf nicht auf lange Sicht das Wachstum der Zulieferer übersteigen", sagte Greenspan. Finanzexperten sehen in Greenspans Äußerungen eine verklausulierte Ankündigung für eine erneute Anhebung der Leitzinsen – die letzte Erhöhung erfolgte erst am 2. Februar.

Levitt befürchtet, dass die Entwicklung der Kurse im Technologiebereich immer weniger von der Wirtschaftskraft der notierten Unternehmen abhängt und immer mehr von Spekulationen und der Hoffnung auf schnelle Gewinnmitnahme bestimmt wird. Er kritisierte eine zunehmende Missachtung fundamentaler ökonomischer Prinzipien bei den Anlegern. "Solange den Investoren nicht wirklich Möglichkeiten und Risiken des modernen Wirtschaftsgefüges bekannt sind, lauften sie Gefahr, Opfer ihres eigenen Wunschdenkens zu werden", sagte Levitt. (chr)