Camcorder: Speichermedien-Wirrwarr vor dem Ende?

Das Durcheinander bei den Camcorder-Speichermedien geht zu Ende: Die Tage von Mini-DV sind gezählt, HDV dürfte mit dem Bandlaufwerk verschwinden, schlecht sieht es für DVD-Camcorder aus. Die Zukunft gehört den Speicherchips - und (noch) der Festplatte.

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Das seit Jahren zu beobachtende Durcheinander bei den im Camcorder-Markt verbreiteten Speichermedien neigt sich dem Ende zu: Die Tage der Bandaufzeichnung auf Mini-DV-Kassetten sind gezählt, Experten gehen von einer marktrelevanten Restlebensdauer von weniger als fünf Jahren aus. Neuentwicklungen im DV-Bereich sind nicht mehr zu erwarten, die Entwickler konzentrieren sich auf die High-Definition-Modelle. Die bandgestützte Variante des High-Definition-Videos, HDV genannt, dürfte, was den Consumermarkt betrifft, mit dem Ende der Bandlaufwerke ebenfalls in der Versenkung verschwinden, auch wenn die MPEG-2-komprimierten Videos im HDV-kompatiblen Format (1440 × 1080, 16:9 anamorph) noch eine Weile die Festplatten der Camcorder füllen. Schlecht sieht es auch für die DVD-Camcorder aus, deren 8-cm-Laufwerke ein relativ voluminöses Gehäusedesign erzwingen. Nach dem Abverkauf der Lagerbestände dürften auch hier keine neuen Geräte mehr auf den Markt kommen. Wie sich die 8-cm-AVCHD-Scheibenrecorder – wie etwa der von Hitachi vorgestellte DZ-BD10HA mit Blu-ray- und Festplattenlaufwerk sowie SD-Slot – am Markt durchsetzen können, bleibt abzuwarten.

Denn die Zukunft gehört eindeutig den Speicherchips - und hier den SD- oder SDHC-Varianten. Die Standardisierung eines 64-GByte-Chips ist in Arbeit, mit der Markteinführung rechnet man im Laufe des kommenden Jahres, zum Weihnachtsgeschäft 2009 sollen die 32- und 64-GByte-Chips für bezahlbare Preise zu haben sein. Spätestens dann dürften auch Camcorder auf den Markt kommen, die dieses große Speichervolumen ausnutzen. Wie sich hier der Sony-eigene Memory Stick im Marktgeschehen behaupten kann, muss man abwarten.

Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf, wie lange MPEG-2-komprimierende Geräte ihre derzeit noch beachtliche Marktposition halten können. Zumindest im High-Definition-Camcordermarkt legt AVCHD deutlich zu – auch wenn der Gesamtmarktanteil der hochauflösenden Videogerätschaften die 50-Prozent-Markt noch lange nicht erreicht hat. Je nach Hersteller rangieren die Marktanteile der HD-Modelle im Vergleich zu den Standard-Versionen zwischen skeptischen 15 und optimistischen 30 Prozent verkaufter Camcorder.

Die Reduzierung der verwendeten Speichermedien auf Festplatte und Speicherchip war überfällig; das verunsichernde Durcheinander dürfte manchen potentiellen Käufer abgeschreckt haben. Ob sich der Speicherchip auch gegenüber der Festplatte so weit durchsetzt, dass die Speicherkarte nicht nur als Transportmittel, sondern auch als alleiniges Video-Speichermedium zur Selbstverständlichkeit geworden ist, muss man abwarten. (uh)