Spaniens Militär beklagt Internetzensur
Die neue spanische Verteidigungsministerin Carme Chacón hat den Hauptquartieren von Heer, Luftwaffe und Marine den Zugriff auf bestimmte Internetseiten verboten - darunter Seiten von Sportzeitungen, Männermagazinen und Online-Auktionshäusern.
Spaniens neue Verteidigungsministerin Carme Chacón ist gleich mit einer ihrer ersten Entscheidungen in die Kritik geraten. Die 37-Jährige untersagte in ihrem Ministerium sowie in den Hauptquartieren von Heer, Luftwaffe und Marine den Zugriff auf bestimmte Internetseiten, darunter die von Sportzeitungen oder eines bekannten spanischen Männermagazins, das für seine Nacktfotos bekannt ist. Unter das Verbot fallen nach Presseberichten vom Freitag auch Portale mit Kleinanzeigen oder von Online-Auktionshäusern.
Zur Begründung hieß es, zur Hauptarbeitszeit seien die Internetleitungen oftmals überlastet. Ähnliche Verbote gebe es auch in anderen Ministerien und in Privatunternehmen. Der konservativ ausgerichtete Militärverband AUME warf der Ministerin hingegen Zensur vor. "Die Soldaten werden behandelt wie kleine Kinder, denen bestimmte Inhalte im Internet verboten werden müssen", empörte sich Verbandschef Mariano Casado. Diese Behandlung der Militärs als "Bürger zweiter Klasse" sei nicht hinnehmbar.
ChacĂłn ist die erste Frau in der Geschichte Spaniens, die an der Spitze des Verteidigungsministeriums steht. Sie ist im siebten Monat schwanger. In konservativen Kreisen ist ihre Ernennung auf Missfallen gestoĂźen. Am vergangenen Wochenende hatte die Ministerin die spanischen Truppen in Afghanistan besucht. (dpa) / (pmz)