Cebit

Hessen startet Projekt "virtuelles Klassenzimmer" [Update]

Gemeinsam mit T-Systems will das Bundesland an zunächst 100 Schulen die Möglichkeiten des internetgestützten Unterrichts erkunden.

vorlesen Druckansicht 47 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Detlef Borchers

Hessen und T-Systems wollen mit EDUNEX (Education Next Generation) an zunächst 100 Schulen die Möglichkeiten des internetgestützten Unterrichts erkunden. Die Lerninhalte kommen von den Schulbuchverlagen Klett und Cornelsen, die rund 300 Lehrer-Laptops und das Rechenzentrum für die virtuellen Klassenzimmer stellt T-Systems. Für das Projekt können sich alle hessischen Schulen bewerben, deren Schüler zuhause über einen breitbandigen Internetanschluss verfügen.

EDUNEX soll als "Public Private Partnership Projekt" betrieben werden. Dabei finanziert Hessen nur einen Teil des Projekts, während sich T-Systems mit Sachleistungen beteiligt. Inhaltlich ist EDUNEX als "virtuelles Klassenzimmer" organisiert, in dem die Schüler per "Edukey" von jedem PC aus auf den Lernstoff zugreifen und ihre Hausaufgaben online erledigen können. E-Mail, Chat-Räume und ein Forensystem für die einzelnen Fächer vervollständigen das Angebot. Lehrer können dabei Hausaufgaben einstellen, die die Schüler in Einzel-, Gruppen oder Projektarbeit bewältigen müssen. Zum Start von EDUNEX heißt es bei T-Systems, dass IT-gestützter Unterricht für die "mittlerweile sehr technikaffine Schülergeneration" eine zeitgemäße Unterrichtsmethode sei, die größere Chancengleichheit mit sich bringe. Hessen wiederum betont, dass das Land seit jeher den Wandel von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft unterstütze.

Das komplette IT-System will T-Systems auf der diesjährigen CeBIT im Public Sector Parc demonstrieren. Neben EDUNEX betreibt T-Systems außerdem in der T-City Friedrichshafen ein kleineres EDUNEX-System. Die mit EDUNEX gemachten Erfahrungen sollen für andere Bundesländer von einem Beirat aufgearbeitet werden, in dem neben den verschiedenen Kultusministerien weitere IT-Unternehmen wie etwa Microsoft und cotec vertreten sind.

Bei der gestern in München zu Ende gegangenen Konferenz Digital Life Design wurde auf einer Podiumsdiskussion über Sinn und Zweck des IT-gestützten Unterrichts heftig gestritten. Der mit seinem Hausaufgabendienst Cramster sehr erfolgreiche israelische Unternehmer Shai Reshef stellte die University of the People vor, ein Lernsystem, das nach Open-Source-Prinzipien Bildung für alle bieten soll. Update: Alexander Olek von den privaten Phorms-Schulen glaubt hingegen nicht, dass mit Online-Bildungsangeboten allein große motivierende Effekte zu erzielen sind, dies sei vielmehr Aufgabe von Lehrern und Eltern. "Online-Bildung ist kein Ersatz für Schulen – und elektronische Kommunikation sollte nicht als Ersatz für persönlichen Kontakt missverstanden werden", verdeutlicht Olek. (Detlef Borchers) / (pmz)