Die Mehrheit der Deutschen ist gestresst
Deutschland steht unter Strom: Sechs von zehn Bundesbürgern empfinden ihr Leben als stressig, jeder Fünfte steht nach eigenen Angaben permanent unter Druck. Und der Stresslevel steigt.
Junge Frauen im Süden Deutschlands sind am stärksten von Stress betroffen. Zu diesem Fazit könnte man jedenfalls auf Basis der aktuellen Forsa-Umfrage kommen, die im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) durchgeführt wurde. Demnach steht ganz Deutschland unter Dauerstress. Besonders betroffen sind Menschen zwischen Mitte 30 und Mitte 40, Frauen dabei häufiger als Männer. Auch zeigt sich beim Stress-Level außerdem ein deutliches Nord -Süd-Gefälle.
Insgesamt hat jeder zweite Deutsche schon hat das Gefühl, dass der Stress in seinem Leben in den letzten drei Jahren zugenommen hat. Zwei von drei Befragten sind überzeugt, dass das Leben heute stressiger ist als noch vor 15 oder 20 Jahren. Jeder Dritte glaubt, dass das Stresslevel sich nicht verändert hat, aber häufiger über das Thema gesprochen wird.
TK-Studie zur Stresslage der Nation (34 Bilder)

Mit zwei Drittel nennen die meisten Befragten den Job als größten Belastungsfaktor. Bei Frauen kommt der familiäre Druck hinzu, denn der lastet noch immer hauptsächlich auf ihren Schultern. Bei jüngeren Personen sind es vor allem private Konflikte, die als besonders belastend empfunden werden. Mit zunehmendem Alter verlieren sie aber an Bedeutung.
Wie die Menschen auf Stress reagieren, wurde ebenfalls abgefragt. Die Mehrheit hält es demnach mit dem Motto: "Augen zu und durch" (59 Prozent). 17 Prozent zählen sich zum Vermeider-Typ, der im Angesicht der Herausforderung einfach nur hofft, dass der Sturm bald vorüber zieht. Genausoviele laufen nach eigenen Angaben bei bei Stress erst so richtig zu Höchstform auf. Dazu zählen sich jeder vierte Mann, aber nur jede zehnte Frau. Das Verhalten ist auch altersabhängig: Jüngere Menschen laufen eher zur Hochform auf, während ältere dem Stress gerne aus dem Weg gehen.
Der Versuch, den Stress auszusitzen, funktioniert aber nicht. Zwar haben diejenigen, die sich bewusst auf die Herausforderung stürzen den höchsten Stresslevel, aber sie leiden nicht so stark wie die "Vermeider". Von denen fühlt sich jeder Vierte unter Dauerdruck gesetzt und ist entsprechend stärker Burn-out-gefährdet. Auch treten in dieser Gruppe besonders oft psychische Beschwerden wie Depressionen oder Angstzustände sowie Kopfschmerzen, Tinnitus, Magenbeschwerden und häufigen Erkältungskrankheiten auf.
Um den akuten Stress zu lindern, setzen die Befragten auf Spazierengehen, Hobbys, Faulenzen, Zeit mit Freunden und Familie, Musik, Lesen, Fernsehen, Sport treiben, Kochen oder Essen gehen sowie Wein oder Bier. Auf die gesündeste Strategie, den Ausgleich durch Sport setzt jeder zweite Befragte, Entspannungstechniken wie Yoga werden von jeder vierten Frau, aber nicht einmal von jedem zehnten Mann genutzt. Vier von zehn Männern greifen bei Stress lieber zu Alkohol. Sechs Prozent der Befragten gaben außerdem an, sich mit Aufputschmitteln leistungsfähig zu halten oder Beruhigungsmittel einzunehmen, wenn der Druck zu groß wird. Bei diesen Aussagen ist folgendes Ergebnis dann doch ziemlich überraschend: Knapp die Hälfte der Befragten damit, wie ihr Leben bisher verlaufen ist, voll und ganz zufrieden. ()