Das Zuckerbrot-Modell

Der Elektrotechnikkonzern GE bietet seinen bestehenden Windenergiekunden kostenlose Verbesserungen ihrer Anlagen an. Bezahlt werden muss nur, wenn tatsächlich mehr Strom fließt.

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Von
  • Kevin Bullis

Der Elektrotechnikkonzern GE bietet seinen bestehenden Windenergiekunden kostenlose Verbesserungen ihrer Anlagen an. Bezahlt werden muss nur, wenn tatsächlich mehr Strom fließt.

General Electric hatte ein Problem. Die Forscher des Siemens-Konkurrenten hatten zwar diverse interessante Methoden entwickelt, um die Leistung bereits installierter Windkraftanlagen zu erhöhen, doch die Kunden wollten die Software- und Hardwaretricks, mit denen beispielsweise der Strömungsverlauf verbessert wird, nicht kaufen. Es half auch wenig, dass GE zuvor genau analysiert hatte, wie viel mehr Strom die Kunden so produzieren und wie schnell sich ihre Investitionen auszahlen würden.

Der Elektrotechnikriese ist nicht das einzige Unternehmen mit diesem Problem. Viele Start-ups, die nur vergleichsweise moderate Verbesserungen bestehender Technologien offerieren, bekommen nur wenig Aufmerksamkeit. Ein anderes Beispiel sind Effizienzsteigerungen etwa bei der Haustechnik: Kleines Geld in neue Isolierungen, Lichtsensoren oder andere Energiespargadgets gesteckt, schon gehen die Strom- und Heizkosten herunter. Doch oft werden diese Investitionen nicht getätigt, weil sie Kunden als zu unbedeutend vorkommen.

Im Bereich der Erzeugung erneuerbarer Energien versuchen erste Firmen nun, Kunden mit dem Zuckerbrot zu werben: Sie übernehmen zunächst die Installationskosten und lassen sich dann die Einsparungen auszahlen. In den USA versucht das beispielsweise das Unternehmen SolarCity.

Auch bei GE findet man die Idee mittlerweile interessant und beginnt, sie umzusetzen. Dazu wurden zunächst die Basisdaten mehrerer Tausend bestehender Windkraftanlagen erfasst. Mit diesen Informationen wurden dann Modelle entwickelt, wie sich die Leistung erhöhen ließe – unter anderem durch eine verbesserte Kontrolltechnik der Turbinen.

Ausgerüstet mit diesem Know-how bietet GE nun ein Produkt namens "Power Up" an. Es ist eine Art grundlegendes Servicepaket: Spezialisten der Firma analysieren eine bestehende Windfarm, bestimmen, welche Software- und Hardwareverbesserungen notwendig wären, um die Leistung zu steigern – und wie viel mehr Strom die Kunden so erzeugen könnten. Dann nimmt GE die Anpassungen auch gleich kostenlos vor. Bezahlt werden muss nur, wenn die Effizienz wirklich zunimmt und die Gewinne sich verbessern.

"Wir haben zahlreiche Produkte, die wirklich sinnvoll sind, doch manchmal entscheiden sich Kunden einfach, nicht zuzugreifen", erläutert Andy Holt, General Manager im Bereich Renewable Energy Services bei GE. Bei dem Modell übernimmt daher GE zunächst das Risiko – und hofft, dass dann mehr Käufer die neueste Technik des Konzerns verwenden. Holt glaubt, dass die Veränderungen die Profitabilität von Windkraftanlagen um 20 Prozent steigern könnten. So lassen sich dann auch Flautejahre besser überstehen.

Das Vorhaben könnte zusätzlichen Strom aus erneuerbaren Quellen auf den Markt fließen lassen, was insbesondere in Nordamerika eine große Wirkung haben könnte. Sollte nur ein Fünftel der installierten Leistung von GE ein Upgrade erhalten, wäre das zusätzliche Energie für 33.000 Haushalte. (Momentan sind rund 9000 Anlagen der Firma mit im Schnitt jeweils 1,5 Megawatt installiert.) Die Zuckerbrot-Methode funktioniert natürlich nur bei Firmen, die genügend Kleingeld dafür haben – ein Start-up könnte solche Aktionen kaum vorfinanzieren. (bsc)