ILOVEYOU: Spur fĂĽhrt an philippinische Uni
Der philippinische Bankangestellte, der in Verdacht geraten war, den E-Mail-Wurm ILOVEYOU in die Welt gesetzt zu haben, ist wieder auf freiem FuĂź.
Der philippinische Bankangestellte Reonel Ramones, der in Verdacht geraten war, den verheerenden E-Mail-Wurm ILOVEYOU in die Welt gesetzt zu haben, ist wieder auf freiem Fuß. Die Indizien reichten nach Angaben des mit dem Fall betrauten Philippine National Bureau of Investigation (NBI) nicht aus, um den Mann länger festzuhalten. Ein Internet-Service-Provider hatte dem NBI Hinweise gegeben, dass der Wurm seinen Ursprung in Ramones' Wohnung habe. Obwohl die Ermittler in der Wohnung keinen Rechner sicherstellen konnten, gehen sie davon aus, dass dort vorher einer gestanden haben muss. "Es sieht so aus, als ob Computer-Equipment aus der Wohnung entfernt wurde. Wir haben Computer-Teile gefunden", sagte NBI-Chef Federico Opinion.
Nun richtet sich der Verdacht auf Ramones' Freundin Maria Irene de Guzman, die nicht zuhause war, als das NBI die Wohnung des Paares durchsuchte. Später meldete sie sich telefonisch bei den Ermittlern und versprach sich zu stellen, was allerdings zunächst nicht geschah. Lediglich de Guzmans Anwalt sprach beim NBI vor. "Sie hat damit definitiv nichts zu tun", erklärte er gegenüber Reportern. Verwandte von Reonel Ramones hingegen äußerten gegenüber der Nachrichtenagentur AP die Vermutung, dass de Guzmans 23-jährige Schwester, die ebenfalls in dem Apartment lebt, hinter dem Mail-Wurm stecke. Sie sagten, die Schwester habe erst kürzlich ihr Informatik-Studium am Amable Mendoza Aguiluz Computer College (AMACC), einer der größten Computer-Universitäten des Landes, abgeschlossen. Der Name des College und eine Liste mit zehn Codenamen, die mit dem AMACC in Zusammenhang stehen, waren im ILOVEYOU-Code aufgetaucht. Zu dieser Liste wollte sich Opinion aber noch nicht äußern.
Zwischenzeitlich treten schon die Analysten auf den Plan. Die Reaktionen in Internet-Kreisen reichen von Erstaunen bis Ungläubigkeit darüber, dass ein weibliches Wesen hinter der Attacke stecken könnte. Schließlich sei der typische Internet-Vandale jung und männlich. Einige Experten aus der Industrie meinen, eine weibliche Perspektive könne erklären, warum der gemeine Wurm ausgerechnet als verlockender Love Letter verschickt wurde. Sieht ganz so aus, als ob die Gleichberechtigung nun wirklich Einzug in die Computerwelt halten würde oder bislang unbemerkt vollzogen wurde. "Falls es in der Vergangenheit schon weibliche Virus-Programmierer gegeben hat, dann habe ich keine Kenntnis von ihnen", sagte Miko Hypponen, ein Antivirus-Manager bei F-Secure. "Möglicherweise sind Frauen einfach zu klug, um sich schnappen zu lassen."
Ob Mann oder Frau: der Täter könnte auf den Philippinen nur wegen Verstoßes gegen ein Landesgesetz belangt werden, welches das Ausspionieren von E-Mail-Adressen und die unrechtmäßige Aneignung von Konto- und Kreditkartennummern verbietet. Das Strafmaß reicht von einer Geldstrafe in Höhe der doppelten Einkünfte aus dem Betrug bis zu 20 Jahren Gefängnis. Ein spezielles Gesetz gegen Computersabotage hingegen gibt es dort nicht. (atr)