Eminem und Girls' Generation bekommen erste YouTube Music Awards
Der Musiksender MTV hat mit seinen Clips die Industrie umgekrempelt. Doch wer heute bei den Fans ankommen will, muss auf Youtube um Klicks buhlen. Nun hat das Videoportal seine ersten eigenen Music Awards verliehen. Eine etwas andere Show.
In einer alten Lagerhalle am East River in Downtown New York wurden am Sonntag die ersten Youtube Music Awards verliehen. Vor der Tür verläuft die Stadtautobahn, auf der anderen Straßenseite stehen die typischen Sozialbauten aus rotem Backstein. Glamour sieht anders aus.
Glamour ist es auch nicht, was die Macher der Show anstreben. Es soll keine Kopie der MTV Video Music Awards sein. Miley Cirus räkelt sich hier nicht halbnackt auf der Bühne. Im Publikum sitzt auch kein Bataillon an Stars. Es ist eine Show von und mit den Helden und Zuschauern der Videoplattform.
Ein paar der ganz Großen sind dann doch gekommen: Lady Gaga und Eminem, der auch einen Preis abräumt als Künstler des Jahres. Lady Gaga geht leer aus, zeigt sich dafür während ihres Auftritts aber ganz publikumsnah. Sie schüttelt haufenweise Hände, herzt zuerst den Kameramann und dann einen Fan vor der Bühne. Der Sicherheitsmann im dunklen Anzug hinter ihr wirkt leicht nervös.
Alles in dieser Show wirkt irgendwie improvisiert, fast schon amateurhaft. Es gibt mehrere Bühnen, zwischen denen die Moderatoren Jason Schwartzman und Reggie Watts hin- und herrennen – quer durchs stehende Publikum. Mal halten sie zwei schreiende Babys auf dem Arm, mal matschen sie mit ihren Händen in Torten herum, mal suchen sie minutenlang den Preisträger in der großen Halle. Vorgegebene Reden oder Witze haben sie nicht. Die Kamerabilder sind oft unscharf und verwackelt, der eine oder andere Übergang klappt nicht. Chaos als Konzept.
"Diese Auszeichnung bedeutet mir mehr als alle anderen", sagt Musiker und Komiker DeStorm, als er seinen Preis entgegennimmt. "Auf Youtube hat alles angefangen." Google, das Youtube seit 2006 gehört, verdient an den vorgeschalteten Werbespots.
Nach anderthalb Stunden ist die Show vorbei. "Ich denke, das war's", sagt Schwartzman. 162.000 Zuschauer sind noch beim Livestream auf Youtube dabei, als das Licht ausgeht.
Die Preisträger
Video des Jahres: Girls' Generation – I Got a Boy *)
KĂĽnstler des Jahres: Eminem
Innovation des Jahres: Destorm – See me Standing
YouTube Breakthrough: Macklemore & Ryan Lewis *)
YouTube-Phänomen: I Knew You Were Trouble *)
Erwiderung des Jahres: Lindsey Stirling and Pentatonix – Radioactive
*) Dieses Video ist in Deutschland nicht verfĂĽgbar (anw)