Cisco-Chef setzt auf Tele-Kollaboration als Innovationsmotor
John Chambers schilderte heute in Berlin seine Vorstellungen von der Kommunikation der Zukunft. Die nächste Welle der Innovation werde von neuen Formen der virtuellen Zusammenarbeit über Videokonferenzen, Wikis und Unified Communication angetrieben.
Die nächste Welle der Innovation wird laut Cisco-CEO John Chambers von neuen Formen der virtuellen Zusammenarbeit über Videokonferenzen, Wikis und Unified Communication angetrieben. "Die vertikale Kollaboration wird alle Geschäftsmodelle komplett verändern", erklärte der Chef des Netzwerkausrüsters am heutigen Dienstag auf der Cisco Expo in Berlin. Dabei werde das intelligente Netz Plattform der gesamten Kommunikation. Sämtliche Inhalte würden dabei über jede erdenkliche Verbindungsform sicher auf jedes Gerät fließen. "Daten, Sprache und Video werden Sie überall in der Welt finden", prophezeite Chambers den mehreren tausend Zuhörern. Die visuelle Komponente werde dabei immer wichtiger, ebenso wie die einfache Bedienbarkeit der Lösungen. Ein Klick müsste ausreichen, um eine Applikation zum Laufen zu bringen.
Die technischen Änderungen gehen dem für seine Internetvisionen bekannten Chambers zufolge auch mit systeminternen und sozialen Änderungen einher. Bedingungen für Erfolg im Kollaborationszeitalter seien offene Standards und eine Abkehr von zentralen Kontroll- und Kommandostrukturen. Die Aufgabe der Kontrollaspekte sei der schwierigste Teil der Verwandlung. Sein Haus habe die Umstellungen bereits geschafft. In diesem Rahmen habe er aber 40 Prozent des Managements, die sich nicht darauf einstellen konnten, auswechseln müssen. Andererseits habe Cisco aber allein durch den Ersatz von Treffen vor Ort durch virtuelle rund 150 Millionen US-Dollar eingespart. Bislang seien 97.615 solche Telekonferenzen intern sowie mit externen Partnern durchgeführt worden.
Chambers führte einen vernetzten Arbeitsplatz vor, auf den in Widgets auf dem Desktop anberaumte Besprechungen, SMS, RSS-Feeds, E-Mail oder Sprachnachrichten in verschiedenen Kooperationsebenen zusammenlaufen. Dazu kämen Adressbücher und Kontaktlisten sowie virtuelle Diskussionsräume für die asynchrone, fortlaufende Kommunikation. Gesonderte Fenster für Chats oder Video-Einblendungen waren ebenfalls eingebunden. Auf einem großen TV-Bildschirm konnte das System zudem das Videokonferenzsystem Telepresence Meeting mit verschiedenen gleichzeitig zugeschalteten Gesprächspartnern starten, wobei als Bildquelle laut Chambers letztlich sogar eine Handy-Kamera akzeptiert wird.
Als "beste Akquisition" der vergangenen Jahre bezeichnete der Cisco-Chef die von WebEx im vergangenen Jahr. Bei den damit aufgebauten internen Lösungen mache inzwischen sogar die Rechtsabteilung mit und bereite online Verschwiegenheitserklärungen, Patentanmeldungen und Verträge vor. Dies habe die Kosten für die Juristen um fünf Prozent gesenkt. Als hilfreiche Web-2.0-Anwendungen führte Chambers etwa das zentrale Cisco-Blog ins Feld, das über RSS in die Mitarbeiter-E-Mail eingebunden sei. Sollte ein Angestellter daraufhin eine verwandte Thematik zu seinen aktuell bearbeiten Aufgaben sehen, könne er weitere Informationen über "Community Bookmarks" und die Ciscopedia aufspüren. Stoße er dabei auf einen Experten, könne er auch gleich einen Video- oder Telefonanruf starten.
Mit Hilfe der neuen Kollaborationsformen hofft Chambers, trotz eher düsterer Ausblicke für das Wachstum etwa der US-Wirtschaft weiterhin Produktivitätssteigerungen von durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr zu ermöglichen. Der hiesige Cisco-Geschäftsführer Michael Ganser stellte für Deutschland das Ziel auf, das Land bis 2012 unter die ersten drei der vernetzten Länder zu bringen. Dabei spiele vor allem die Ausbildung von Informatikern eine Schlüsselrolle. Ganser versprach daher, über die Network Academy von Cisco wieder 100.000 zusätzliche IT-Experten schulen zu wollen. Scherzend lüftete er das eigentliche Geheimnis des gegenwärtigen Erfolgs von Bayern München. Dieser gründe nicht etwa auf Luca Toni oder anderen Kickern, sondern vielmehr darauf, dass der Fußballverein nach der Münchner Spielarena inzwischen auch seine Zentrale komplett mit Cisco vernetzt habe. (Stefan Krempl) / (anw)