Agritechnica 2013: Das Geschäft mit Landtechnik boomt
Volle Messehallen, großes Publikumsinteresse: In Hannover ist am Sonntag die weltweit größte Agrartechnik-Messe gestartet. Ein erster Rundgang.
In Hannover ist am Sonntag die Agritechnica gestartet, mit rund 2900 Ausstellern aus 47 Ländern die größte Landtechnik-Messe weltweit. Gezeigt werden knapp 400 Neuheiten, darunter eines der wenigen landwirtschaftlichen Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid: Der italienische Hersteller Merlo präsentiert in Halle 6 (Stand C15) einen Teleskoplader, der in geschlossenen Gebäuden mit reinem Elektroantrieb arbeiten kann. Im Außenbereich treibt ein Dieselmotor die Arbeitshydraulik sowie einen Stromgenerator an, der die 30-kWh-Lithium-Ionen-Batterie versorgt. In Arbeitspausen kann die Batterie zudem über das Stromnetz oder eine betriebseigene Photovoltaik-Anlage geladen werden. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) wird das Hybrid-Konzept am Montag mit einer Goldmedaille auszeichnen.
Agritechnica 2013 (14 Bilder)

Messeauftakt
Ebenfalls eine Goldmedaille erhält der Landmaschinenkonzern Claas (Halle 13, Stand B05) für einen neuen Online-Simulator, mit dem Maschinenführer die Bedienung komplexer Erntemaschinen und Traktoren üben können. Da beispielsweise Mähdrescher nur wenige Wochen pro Jahr im Einsatz sind, können Bedienfehler und daraus resultierende Maschinenschäden schnell zu erheblichen Umsatzeinbußen führen. Der auf Claas-Servern gehostete Simulator stellt mit Hilfe von ausgewerteten Telemetrie- und Prozessdaten, virtuellen Steuergeräten und Bedienelementen reale Betriebszustände und -abläufe einer Maschine weitgehend nach. Über das neue Online-Training könnten sich Fahrer jetzt auf den Punkt vorbereiten, heißt es bei Claas.
Auch die norwegische Kverneland Group (Halle 05, Stand D38) stellt in Hannover neue Simulationslösungen vor: Über "IsoMatch InDemo" und "IsoMatch Simulator" können Landwirte den Umgang mit Isobus-konformen Anbaumaschinen üben. Bei "IsoMatch InDemo" wird einfach ein Isobus-Stecker an einen (realen) Traktor angeschlossen, der auf dem Isobus-Terminal im Schlepper dann beispielsweise einen anhängenden Düngerstreuer simuliert. Komplett virtuell geht es beim "IsoMatch Simulator" zu. Er kann Funktionen des Isobus auf dem Hof-PC abbilden und ermöglicht so z.B. das Trainieren von Arbeitsvorgängen mit GPS-Daten des eigenen Feldschlags. Die DLG belohnt das neue Trainingsprogramm mit einer Silbermedaille.
Unverkennbar ist in Hannover der Trend zu immer größeren Landmaschinen. Doch die Hersteller müssen auch technisch nachlegen. So tritt zum Jahreswechsel eine neue Abgasrichtlinie mit deutlichen Stickoxidverringerungen zunächst für Motoren mit mehr als 130 kW Leistung in Kraft, im Oktober 2014 sind dann auch die Motoren von 56 bis 130 kW dran. Noch nicht durchgesetzt haben sich im Agrarbereich Start/Stopp-Systeme wie sie beispielsweise im Pkw-Segment bereits gang und gäbe sind. Einige Traktoren-Hersteller versuchen zumindest, Verbrauch und Emissionen über eine Absenkung der Leerlaufdrehzahlen zu reduzieren.
Nachgefragt sind Produkte deutscher Landmaschinenhersteller derzeit aber allemal: Branchenangaben zufolge wird der Absatz im Jahr 2013 um 8 Prozent gegenĂĽber dem Vorjahr steigen und ein Volumen von 8,2 Milliarden Euro erreichen. Bernd Scherer vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hatte Mitte September von einer ausgezeichneten Stimmung gesprochen: "Wir befinden uns eindeutig in einer Boomphase."
(pmz)