Rankaholics, Marktjagd und Crowd Marketing auf dem GrĂĽnderkongress

Das Bundeswirtschaftsministerium hat zum dritten Mal die Gewinner des Gründerwettbewerbs "Mit Multimedia erfolgreich starten" ausgezeichnet. Ihre Ideen präsentierten die Unternehmensfrischlinge auf einem Investmentforum in Berlin.

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Das Bundeswirtschaftsministerium hat am heutigen Mittwoch in Berlin zum dritten Mal die Gewinner des Gründerwettbewerbs "Mit Multimedia erfolgreich starten" im Rahmen einer Tagung ausgezeichnet, auf der Unternehmensfrischlinge ihre Ideen auf einem Investmentforum präsentieren konnten. "Die Gewinner zeigen auch dieses Jahr wieder neue und zukunftsweisende Multimedia-Trends auf", freute sich Dagmar Wöhrl, parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, bei der Eröffnung des Gründerkongresses im Veranstaltungszentrum Kosmos. Das Gründungsgeschehen im Multimediabereich habe sich im Vergleich zum Vorjahr erneut positiv entwickelt.

Der Hauptpreis für die "Multimediagründung des Jahres" in Höhe von 25.000 Euro ging an die Firma Menippos aus Chemnitz für die Entwicklung von Spielen, bei denen elektronische Spielkarten getauscht und in Online-Games eingesetzt werden können. Die Idee verknüpfe "in einzigartiger Weise virtuelle und reale Spielwelten", befand die Jury des gemeinsam mit DATEV und Microsoft Deutschland ausgelobten Preises. Mit den Sammelkarten, die mit einer eingedruckten Elektronik versehen sind, könne man sowohl wie gewohnt auf dem Schulhof als auch per Lesegerät im Internet spielen.

Den zweiten Preis in Höhe von 15.000 Euro erhielt das Team der Vioso GmbH aus Weimar für eine Beamer-Technologie, die herkömmliche Leinwände ersetzen kann und für die Projektion auf nahezu beliebigen Oberflächen geeignet ist. Die Jury schätzte hier einen "hohen Grad der technischen Innovation und den strategischen Blick auf den Markt für Unterhaltungselektronik". Über den dritten Preis und einen Gewinn von 10.000 Euro konnte sich das Team von EcoIntense in Berlin freuen, das ein übergreifendes Informationssystem für das Umweltmanagement in Unternehmen und Anlagen wie dem geplanten Großflughafen Berlin-Brandenburg geschaffen hat.

Zugleich prämierte das Ministerium erneut drei junge Multimedia-Firmen aus dem Portfolio des High-Tech-Gründerfonds als "Leuchtturmprojekte". Darunter ist die Firma HumanGrid aus Dortmund. Sie hat eine Plattform entwickelt, die kognitive Arbeitsleistung von Internet-Nutzern online verfügbar zu machen sucht. Die NorthWorks Software GmbH aus Hamburg verdiente sich diese Meriten für eine Technik, mit der auch aufwendige Computerspiele in üblichen Browserprogrammen ohne zusätzliche Installation weiterer Software ausgeführt werden können. Dabei ist auch das ebenfalls aus Hamburg stammende Startup JobLeads, das über ein selbst entwickeltes internetbasiertes Modell Fach- und Führungskräfte vermittelt.

Laut Bundeswirtschaftsminister Michael Glos zahlen sich die Förderungen des von ihm geführten Ressorts aus. Der High-Tech-Gründerfonds habe sich mit über 1000 Beteiligungen an chancenreichen Technologiefirmen "in kurzer Zeit zum wichtigsten Anbieter für Frühphasen-Finanzierungen in Deutschland entwickelt". Mittlerweile habe immerhin die Hälfte der über 1000 Teilnehmer am Gründerwettbewerb "erfolgreich ein Unternehmen gegründet". Die Hälfte der im Rahmen des Programms Exist (Existenzgründungen aus der Wissenschaft) unterstützen Akademiker hätten ferner erklärt, dass sie ohne die Förderung nicht den Schritt in die Selbständigkeit gewagt hätten.

Rund ein Dutzend Startups fand auf dem Kongress die Möglichkeit, die eigenen Ideen im Halbrund des ehemaligen Kinos auf Ständen sowie in Drei-Minuten-Vorträgen im Auditorium Investoren, Beteiligungsgesellschaften, Banken oder Business Angels näher zu bringen. Ein Vertreter von "Tracks & Fields" präsentierte dabei etwa das "Online-Tonstudio" der Zukunft in Form einer Software zur Verbesserung der Projektkoordination für Musikaufnahmen. Dabei könne man die Fans von Anfang an einbeziehen, ihnen Tonspuren zur Verfügung stellen oder Inhalte zum Remixen anbieten. Da ein "umfassendes Rechtemanagement" eingebaut sei, eigne sich die Lösung auch für "Mainstream-Content".

Fast wie zu Hochzeiten der Gründerwelle im Zuge des Booms der "New Economy" vor der Jahrtausendwende jagte in den Unternehmensbeschreibungen ein Buzzword das nächste. So wollen die Jungunternehmer etwa das "Crowd Marketing" genauso erschließen wie allgemein "zusätzliche Einnahmen mit Online-Werbung". Die "Rankaholics" haben sich vorgenommen, "die Welt zu listen", während das Projekt BeachLink von Clipland Breitband per WiMax unter Einbezug der Solarenergie an den Strand beziehungsweise an küstennahe und infrastrukturarme Regionen beamen will.

Die Seite "Marktjagd" setzt derweil auf eine Kombination aus "regionaler Supermarktsuche, Preisvergleich und Meinungsportal", die Thaz-Gruppe will mit Myfree "kostenpflichtige Produkte im Niederpreis-Segment" wie MP3s oder Klingeltöne "durch Werbekonsum finanzieren". Dazu traten "Tausch- und Teilbörsen" wie Bimply oder MagicMap zur Positionsbestimmung mobiler Geräte per Funkchips. "Nach dem Knick im Jahr 2000 sehen die meisten Gründer die Situation wieder realistisch", meint Guido Brand von der Berliner Firma i.motions. Fördergelder seien zu bekommen, aber die Euphorie sei vorbei. Selbst bastelt er an einer Schnittsoftware, die es Firmen und Produktionsstudios ermöglichen soll, verschiedene, an die Interessen der Zuschauer angepasste Spots oder Filme zu entwickeln. 72.000 Euro haben er und seine drei Kollegen dafür aus dem Exist-Programm erhalten. (Stefan Krempl) / (pmz)