Bund kauft Bundesdruckerei
Acht Jahre nach ihrer Privatisierung wird die Bundesdruckerei "reverstaatlicht".
Die vor acht Jahren privatisierte Bundesdruckerei geht wieder in den Besitz des Bundes. Gegenüber den privatwirtschaftlichen Interessenten haben sich staatliche Sicherheitsbedenken durchgesetzt, den Betrieb zu "reverstaatlichen". Über den Kaufpreis wurden in einer Mitteilung der Bundesdruckerei keine Angaben gemacht, doch soll die Summe sehr niedrig sein, da gestundete Forderungen des Bundes in Höhe von 300 Millionen Euro als Einzahlung abgerechnet werden.
In den vergangegen Jahren konnte die 1879 als Reichsdruckerei gegründete Bundesdruckerei besonders durch die Produktion von elektronischen Reisepässen mit abgespeicherten biometrischen Merkmalen wieder profitabel werden. Genau diese Produktion sowie die möglicherweise künftig an die Druckerei vergebenen Aufträge zur Produktion von elektronischen Personalausweisen haben dazu geführt, dass die Sicherheitsbedenken die Überhand gewannen. Dementsprechend gehen Interessenten wie Giesecke & Devrient, Sagem und 3M leer aus.
Als die Bundesdruckerei im Jahre 2000 für eine Milliarde D-Mark an die britische Investorengruppe Apax Partners verkauft wurde, galt das Geschäft als großer Erfolg der rot/grünen Regierung und besonders von Finanzminister Hans Eichel (SPD). Apax führte die Firma in eine Holding namens Authentos ein, die den Kaufpreis erwirtschaften sollte, zog aber gleichzeitig Geldmittel aus dem Gewinn der damals profitablen Bundesdruckerei ab. Das Konzept geriet bereits 2002 in eine gefährliche Schieflage, in der der Bund seine gesamten Forderungen stunden musste. Authentos wurde zum symbolischen Preis von einem Euro verkauft, während die Bundesdruckerei geschrumpft wurde. Zur Zeit der Privatisierung beschäftigte der Staatsbetrieb 3650 Mitarbeiter, heute arbeiten bei der Privatfirma 1450 Mitarbeiter, wobei Tochterfirmen wie D-Trust mitgezählt sind.
Mit der Verstaatlichung rechnet sich die Bundesdruckerei beste Chancen bei der Vergabe neuer Aufträge wie der Produktion des elektronischen Personalausweises aus und will am Stammsitz in Berlin eine neue Produktionsanlage für Ausweise und Chipkarten bauen. Ihre Kosten sollen 50 Millionen Euro betragen. (Detlef Borchers) / (anw)