Facebook-Gruppe hilft bei Ermittlung eines Tatverdächtigen
In der Schweiz bringt eine Kampagne in dem Sozialen Netzwerk den Namen eines mutmaßlichen Schlägers ans Licht.
- Peter MĂĽhlbauer
In Erlinsbach im schweizerischen Kanton Solothurn ist der Name eines Tatverdächtigen über eine von der Schwester des Opfers ins Leben gerufene Facebook-Gruppe ans Licht gekommen. Am 21. Februar war der achtzehnjährige Informatik-Auszubildende Michael M. mit seiner siebzehnjährigen Freundin Aline und einem Kollegen auf dem Weg zu einem Festzelt kurz nach Mitternacht von hinten zu Boden geworfen worden. Anschließend hatten zwei junge Männer auf seinen Kopf eingetreten, unter anderem wurden dabei Nase, Oberkiefer und beide Jochbeine gebrochen. Michael M. überlebte schwer verletzt.
Daraufhin gründete die Schwester des Opfers die Facebook-Gruppe !Dringend Mithilfe benötigt!, die bald auf über 6000 Mitglieder anwuchs. Eines davon teilte der als Admin aktiven Aline per E-Mail den Namen eines mutmaßlichen Täters mit. Nachdem die Kantonspolizei diesen Namen bekommen hatte, verhörte sie zwei Jugendliche, welche schließlich Geständnisse ablegten.
Zu Fragen, ob und inwieweit der Facebook-Tipp tatsächlich zu diesen Geständnissen führte, schweigen die Solothurner Sicherheitsbehörden zwar offiziell, dementieren aber nicht, dass der weitergegebene Name einem der mutmaßlichen Täter entspricht. Die Facebook-Gruppe wurde inzwischen umbenannt und will nun unter dem Namen "Blib fair" Zeichen gegen Jugendgewalt setzen.
In den USA steht Facebook währenddessen wegen eines anderen Falles in den Schlagzeilen: Dort verklagte ein Teenager das Unternehmen auf eine Millionensumme, weil es angeblich Cyber-Mobbing möglich machte. Den Vorwürfen zufolge hatten Mitschüler des Mädchens in einer geschlossenen Gruppe behauptet, dass es Verkehr mit Tieren habe, intravenös Drogen konsumiere und an Aids leide. (pem)