Paradise lost
Bei jedem Update habe ich die Hoffnung, dass mein Rechner schneller, leiser und besser wird. Warum? Weil Apple mit den Updates davor den Rechner langsamer, lauter und schlechter gemacht hat.
- Jens Lubbadeh
Bei jedem Update habe ich die Hoffnung, dass mein Rechner schneller, leiser und besser wird. Warum? Weil Apple mit den Updates davor den Rechner langsamer, lauter und schlechter gemacht hat.
2006 habe ich mir mein erstes Macbook gekauft, das weiße, weil es einfach ein wahnsinnig schönes Gerät ist und nicht aussieht wie der ganze Laptop-Einheitsbrei, der sonst auf dem Markt ist. 2010 tauschte ich es gegen die Neuauflage des weißen Macbooks aus – zu sehr hatte ich mich in die abgerundeten Ecken und das noch flachere Design verliebt. Zudem war es das letzte seiner Art. Seitdem macht Apple mit seinen Alu-Macbooks selbst nur noch Einheitsbrei.
Das neue weiße Macbook war also noch schöner als das davor. Dass Apple aber so mir nichts dir nichts den Infrarotempfänger weggestrichen hatte, merkte ich leider zu spät. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass sie so etwas tun würden, denn warum sonst hat man denn die tolle Media-Center-Software Frontrow vorinstalliert, wenn man sie nicht mehr fernbedienen kann? Das weiße Laptop, das ich zuvor immer gerne als Mediacenter an meinen Beamer gehängt hatte – nun war es kastriert und ich musste mich nach halbgaren Zweithersteller-Fernbedienungen umsehen. Und natürlich hatten sie auch den DVI-Stecker geändert. Also nochmal einen neuen Adapter für 29 Euro kaufen.
War das Hardware-Update trotz der zweifellos schnelleren Performance und dem schöneren Design funktional betrachtet also schon eine Verschlimmbesserung gewesen, wurde die Sache mit jedem Software-Update erst so richtig ärgerlich.
Ich hatte mir das weiße Macbook ursprünglich aus drei Gründen gekauft: Ich wollte einen benutzerfreundlichen, leisen und schönen Rechner. Den bekam ich anfangs auch. Ausgeliefert wurde das Macbook mit OSX-Version Snow Leopard. – damit lief es leise und schnell wie ein Schneekätzchen. Jetzt, unzählige Updates später, bin ich bei 10.9. (Mavericks) angekommen und übrig geblieben ist nur noch ein schöner Rechner, der nicht mehr benutzerfreundlich und auch nicht mehr leise ist.
Seit Snow Leopard habe ich jedes Update, zu dem mich Apple mehr oder weniger zwingt, will ich nicht irgendwann auf einer nicht mehr unterstützten Software-Insel landen, bitter bereut. Am schlimmsten war der Schritt zu Mountain Lion (10.8.). Die Bootdauer hatte sich verdoppelt, das Laptop wurde plötzlich irre heiß und dauernd sprang der Lüfter an. Alle folgenden Updates habe ich eigentlich nur noch aus der Hoffnung heraus gemacht, damit den ursprünglichen paradiesischen Zustand von 10.6.8 wieder herzustellen.
Die Rolle rückwärts, also Downgrade, verhindert Apple ja, obwohl ich immer brav Time-Machine-Backups gemacht habe. Aber beispielsweise meine ganzen Fotos, die in der iPhoto-Datenbank stecken, wären nicht mehr zugänglich, würde ich jetzt zu Snow Leopard zurückkehren. Funktionelle Obsoleszenz nennt man das und es ist einer der miesesten Tricks der Hersteller, um den Kunden zu immer neuem Konsum zu zwingen.
Der paradiesische Zustand – er rückte mit jedem Update also nur noch weiter weg, bestenfalls brachte das Update keine weitere Verschlechterung. Letzte große Enttäuschung war das ach so hochgelobte Mavericks. Bei mir hatte es zur Folge, dass nun die so bequeme Foto- und Videovorschau im Finder nicht mehr funktioniert. Schnelles Durchblättern von Multimediadateien ist also passé – für mich eine wichtige Funktion und ein großer Verlust an Benutzerfreundlichkeit. Und der Rechner braucht nun noch länger, bis er startklar ist: Nach dem ohnehin schon langen Booten verbringt er jetzt auch noch viele zähe Sekunden, bis überhaupt das Dock erscheint und der Rechner überhaupt ansprechbar ist. Öffnet man dann ein Finder-Fenster, legt er wieder eine Denkpause ein, weil er offenbar nicht mehr die File-Informationen und Icons speichert sondern immer wieder neu aufbaut – warum auch immer. Die Benutzerfreundlichkeit hat Mavericks nun also auch noch verschlimmbessert. Müßig zu erwähnen, dass weiterhin der Rechner aus unerfindlichen Gründen heiß läuft und der Lüfter bläst wie ein Föhn.
Damit bleibt also weiter die verzweifelte Hoffnung, dass mit dem nächsten Update alles besser wird. Oder besser gesagt: hoffentlich nicht wieder noch schlimmer.
(jlu)