US-Militär finanziert deutsche Forscher
Seit dem Jahr 2000 soll laut Medienberichten Geld für Rüstungs- und Grundlagenforschung aus den USA an 22 Hochschulen und Institute geflossen sein – auch an Universitäten, die sich durch eine Zivilklausel zur friedlichen Forschung verpflichtet haben.
Das US-Verteidigungsministerium lässt auch an deutschen Hochschulen und Instituten forschen. Seit dem Jahr 2000 seien über zehn Millionen Dollar (7,4 Millionen Euro) für Rüstungs- wie Grundlagenforschung an 22 Einrichtungen geflossen, berichten der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und die Süddeutsche Zeitung.
Dabei geht es um Forschungen über militärische Sprengstoffe bis hin zu Orientierungssystemen für Drohnen. Die Hochschulen bestätigten auf Nachfrage weitgehend die Zusammenarbeit, wollten aber keine Angaben zu den Ergebnissen machen.
Forschung an Sprengstoff
Gelder des US-Militärs seien auch an Universitäten geflossen, die sich durch eine Zivilklausel zur friedlichen Forschung verpflichtet haben sollen. Nach Angaben der Initiative "Ja zur Zivilklausel" haben derzeit 14 Universitäten in ihren Statuten festgelegt, nur Forschungen zur friedlichen Nutzung zu betreiben. Darunter sind große Hochschulen wie die TU Berlin oder die Unis in Münster, Göttingen und Tübingen.
Die Universität München hat vom US-Pentagon 2012 mehr als 470.000 Dollar erhalten, um militärische Sprengstoffe zu verbessern. Die Fraunhofer-Gesellschaft forschte für die US-Armee an Panzerglas und an Sprengköpfen, die Universität Marburg an Orientierungssystemen für Drohnen und "präzisionsgelenkte Munition".
US-Auftragsdatenbank einsehbar
Die Verträge fanden sich in einer öffentlichen US-Datenbank, die im Auftrag von NDR und Süddeutscher Zeitung von der Berliner Firma OpenDataCity aufbereitet wurde. In der Datenbank sind 300.000 Regierungsaufträge durchsuchbar. Zudem erhielten ein Max-Planck-Institut, die Fraunhofer-Gesellschaft, das Alfred-Wegener-Institut und ein Leibniz-Institut Mittel des US-Verteidigungsministeriums in Höhe von zusammen 1,1 Millionen Dollar.
Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, forderte die Hochschulen auf, Transparenz über ihre Drittmittelprojekte herzustellen. "Nur die Offenlegung der vertraglichen Eckdaten ermöglicht den notwendigen gesellschaftlichen Diskurs über die ethische Bewertung der Forschungsprojekte", sagte Gehring. Diese Transparenz sichere zudem die wissenschaftliche Unabhängigkeit, indem sie mögliche Interessenkonflikte für die Gesellschaft offenlege.
Der Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Keller, forderte als ersten Schritt die Offenlegung aller militärischen Forschungsprojekte an Hochschulen und Instituten. Dies müsse bei Forschungsvorhaben für die Bundeswehr ebenso gelten wie für Projekte im Auftrag des Pentagon.
Das Bundesverteidigungsministerium gibt eigenen Angaben zu Folge jährlich rund 900 Millionen Euro für Forschungen aus. Der überwiegende Teil des Geldes fließt aber in Ressortforschung der eigenen Institute. An deutschen Hochschulen seien im Schnitt der vergangenen Jahre Aufträge mit einem Volumen von 10 Millionen Euro pro Jahr vergeben worden. "Detailliertere Angaben zu den Forschungsaufträgen sind aus Gründen der militärischen und der zivilen Sicherheit nicht möglich", erklärte ein Sprecher des Ministeriums.
(anw)