Britische Eltern erhalten polizeiliche Informationen über vorbestrafte Sexualtäter

Kritiker des Versuchs befürchten, dass die gesetzlichen Bestimmungen nicht ausreichen, um zu verhindern, dass die Informationen weitergeleitet werden.

vorlesen Druckansicht 240 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Thomas Pany

Eltern und Erzieher, die in bestimmten Regionen Großbritanniens leben, haben seit heute den rechtlichen Anspruch auf polizeiliche Informationen über Personen, die in engen Kontakt zu ihren Kindern kommen. Der Test soll ein Jahr lang in vier Distrikten laufen und Kinder besser vor Sexualverbrecher schützen, berichten britische Zeitungen,

Laut einem Bericht des Independent können sich beunruhigte Mütter in den Distrikten Warwickshire, Cambridgeshire, Cleveland und Hampshire mit Anfragen an die Polizei richten, um Informationen über den Hintergrund von Personen zu erhalten, die "unüberwachten Zugang" zu ihrem Kind haben. Die Polizei prüft daraufhin, ob die Anfrage auf guten Gründen basiert, bevor sie Hintergrundinformationen preisgibt. Die Weitergabe solcher Informationen ohne Erlaubnis der Polizei wird bestraft.

Die Regierung reagiert mit diesem Versuch auf Forderungen, die im Zusammenhang mit dem Mord an der 8-jährigen Sarah Payne durch einen vorbestraften pädophilen Täter im Jahre 2000 aufkamen und seither von der Kampagne "Sarah's Law" massiv an die Öffentlichkeit getragen werden. Die Kampagne orientiert sich, wie der Name schon andeutet, am US-amerikanischen "Megan's Law". Darunter sind Gesetze gefasst, die Behörden dazu verpflichten, die Öffentlichkeit über vorbestrafte Sexualstraftäter zu informieren. Das wird in den US-Bundesstaaten unterschiedlich gehandhabt. Zum Beispiel gibt es allgemein zugängliche Datenbanken, die über Webseiten abgefragt werden können und Namen und Adressen der Vorbestraften veröffentlichen, was schon zu spektakulären Fällen von Selbstjustiz geführt haben soll.

Kritiker in Großbritannien befürchten, dass die gesetzlichen Bestimmungen nicht ausreichen, um zu verhindern, dass die von der Polizei übermittelten Informationen weitergeleitet werden. Dass eine besorgte Mutter mit der Drohung einer strafrechtlichen Verfolgung davon abgehalten werden könnte, die Informationen an Nachbarn weiterzugeben, sei Unsinn, wird der Direktor einer Bürger- und Menschenrechtsorganisation zitiert. Auch Organisationen, die sich für das Wohl von Kindern einsetzen, fürchten nachteilige Konsequenzen, zum Beispiel das Abdrängen von Pädophilen in den Untergrund, wodurch sie noch schwerer zu fassen seien. ()