GMD-Mitarbeiter wehren sich gegen "feindliche Übernahme"

Die Zusammenführung des GMD-Forschungszentrums Informationstechnik mit der Fraunhofer-Gesellschaft stößt auf heftigen Widerstand bei der GMD-Belegschaft.

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Die Zusammenführung des GMD-Forschungszentrums Informationstechnik mit der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) stößt auf heftigen Widerstand bei der GMD-Belegschaft. Viele sehen sich schon einer feindlichen Übernahme ausgesetzt. So wurde eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, die schon binnen eines Tages von der Hälfte aller Mitarbeiter des Betriebsteils Sankt Augustin unterstützt wurde.

Die Mitarbeiter des Forschungszentrums für Informationstechnik wehren sich nach eigenen Aussagen dagegen, der mächtigen Fraunhofer-Gesellschaft einfach einverleibt zu werden und sowohl deren Organisations- als auch Forschungsstrukturen übergestülpt zu bekommen. Davon war zunächst auch gar nicht die Rede. In einer Pressemitteilung der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, vom 29. September 1999 heißt es: "Es wird die Aufgabe von Vorständen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sein, eine gemeinsame Unternehmensphilosophie und -identität zu entwickeln und zu etablieren."

In einem gemeinsamen Eckpunktepapier von FhG und GMD sehen die GMD-Mitarbeiter diesen Anspruch aber ad acta gelegt: "Die Zusammenführung von FhG und GMD erfolgt unter Fortentwicklung und Ergänzung des bestehenden Fraunhofer-Modells." Nach einer fünfjährigen Übergangsfrist soll die GMD (ehemals Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung) das Finanzierungsmodell der FhG übernommen haben. Gerade dies ist aber der Knackpunkt, der die Forscher der GMD auf die Barrikaden bringt.

In der Tat ist die Arbeit und Ausrichtung der beiden Institute recht unterschiedlicher Natur. Die GMD konzentriert sich stark auf die – langfristig angelegte – Grundlagenforschung im informationstechnischen Bereich, sodass sie bei vielen Projekten auf staatliche Förderung angewiesen ist. Nur 30 Prozent stammen aus so genannten "Drittmitteln", also von Geldgebern aus der Industrie. Damit liegt sie im bundesweiten Vergleich allerdings noch über dem Durchschnitt. Die Max-Planck-Gesellschaft beispielsweise finanziert sich zu 95 Prozent aus staatlichen Mitteln, die HGF (Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren) zu etwa 75 Prozent. Die Fraunhofer-Institute hingegen sollen rund 60 Prozent ihrer Mittel über die Industrie einwerben. Dem gemäß orientieren sich die FhG-Projekte eher an kurz- und mittelfristigen sowie kommerziellen Erfolgsmaßstäben.

Die GMD-Wissenschaftler sind nun der Ansicht, dass beide Gesellschaften von einer gleichberechtigten Fusion profitieren könnten. So sei es möglich, mit den 1.200 Mitarbeitern der GMD innerhalb der FhG eine langfristig angelegte Grundlagenforschung zu etablieren und damit die ökonomisch orientierten Projekte der fünf fachlich verwandten Fraunhofer-Institute auf ein festes Fundament zu stellen.

FhG-Präsident Warnecke hingegen stellt klar: "Wenn die Politik die GMD in der jetzigen Form hätte erhalten wollen, wäre sie nicht uns angegliedert worden. Wir haben die Zusammenlegung nicht so verstanden, dass zwei gleichberechtigte Institute miteinander verschmelzen, sondern dass sich die GMD an unseren Spielregeln orientiert." (atr)