Black Friday: Auftakt zum Weihnachtsgeschäft in den USA
In den USA beginnt das umsatzstärkste Wochenende des Jahres. Zwar soll laut Prognosen die Zahl der Käufer abnehmen, dafür aber die Ausgaben pro Kunde steigen.
Nach dem gestrigen US-Feiertag Thanksgiving am Donnerstag wird nun dort der Black Friday begangen. In Nordamerika ist dies der offizielle Auftakt für das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel und – mit dem vom Online-Handel ersonnenen Cyber Monday – das umsatzstärkste Wochenende des Jahres. Die Zahl der Käufer soll laut US-Einzelhandelsverband NRF von 147 Millionen 2012 auf nun 140 Millionen abnehmen (ohne Cyber Monday). Dafür erwartet die CEA, dass die Ausgaben der Kunden um stattliche 18 Prozent pro Kopf auf 258 US-Dollar zulegen.
Unterhaltungselektronik wollten laut Umfrage 31 Prozent der Black-Friday-Shopper in ihren Einkaufswagen legen. Aus dieser Gruppe trachten 30 Prozent nach einem Tablet, 29 Prozent nach einem Laptop, ebenso viele nach einer Videospielkonsole und 22 Prozent nach einem Fernseher.
Ein sprunghaftes Wachstum beim Onlineshopping erwartet Adobe Digital. Die Zahl der US-Webshopbesuche (Visits) in der gesamten Weihnachtssaison wird demnach 450 Milliarden erreichen. Den höchsten Zuwachs dürfte es zu Thanksgiving gegeben haben (plus 21 Prozent), gefolgt vom Black Friday (plus 17 Prozent) und Cyber Monday (plus 15 Prozent).
Adobe Digital hält die Visits für "das vielleicht größte und treffsicherste Umsatzvorhersagemodell" und prophezeit daraus folgende Werte: 2,27 Milliarden Dollar Onlineumsatz am Cyber Monday, 1,63 Milliarden Dollar am Black Friday und 1,09 Milliarden Dollar zu Thanksgiving. Der Weihnachtstag selbst nimmt sich dagegen mit 248 Millionen Dollar bescheiden aus.
Zum Vergleich: Der US-Einzelhandelsverband NRF erwartet an den 61 Tagen von November und Dezember einen Gesamtumsatz von 602 Milliarden Dollar, 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit einem anderen Kalender wäre dieser Wert vielleicht noch höher ausgefallen.
KĂĽrzeste Konsumsaison aller Zeiten
Dieses Jahr liegen zwischen Thanksgiving und dem westkirchlichen Weihnachtsfest nämlich nur 26 Tage. Das ist nach aktueller Rechtslage der kürzestmögliche Zeitraum. Thanksgiving fällt seit 1942 auf den vierten Donnerstag im November, mithin spätestens den 28. November. Im Vorjahr hatte der um sechs Tage frühere Termin die längstmögliche Konsumsaison gebracht. Übrigens fiel Thanksgiving dieses Jahr mit dem Beginn des jüdischen Lichterfests (Chanukka) zusammen. Das gab es zuletzt 1888 und dürfte sich erst in mehreren zehntausend Jahren wiederholen.
Laut Adobe Digital schmälert die Kürze der Shoppingsaison den Einzelhandelsumsatz um 1,5 Milliarden Dollar. Diese Befürchtungen sind keineswegs neu: Bis 1939 war Thanksgiving, zurückgehend auf eine Proklamation von US-Präsident Lincoln, stets am letzten Novemberdonnerstag begangen worden. 1939 fiel dieser auf den 30. November.
Zahlreiche Unternehmer fürchteten um ihr Geschäft und brachten den damaligen US-Präsident Franklin D. Roosevelt dazu, den Feiertag um eine Woche vorzuverlegen. Plötzlich waren die Kalender falsch, zahlreiche US-Staaten folgten nicht, einzelne legten einen zweiten "Franksgiving"-Feiertag ein. Das Spiel wiederholte sich 1940 und 1941. Dann fixierte der US-Kongress Thanksgiving auf den vierten Donnerstag jeden Novembers. Dieses Jahr legten zahlreiche Händler einen bewussten Frühstart mit ihren Sonderangeboten hin. Manche wagten sogar das Sakrileg, ihre Geschäfte am Abend des Feiertags aufzusperren.
In Kanada wird Thanksgiving schon im Oktober begangen. Der Black Friday findet hingegen gleichzeitig auf beiden Seiten der Grenze statt. Die größere Bedeutung hat er in den USA, die Unterschiede nehmen aber ab. Die Zahl der Black-Friday-Shopper in Kanada ist anteilsmäßig geringer, wächst aber deutlich. Dafür geben die kanadischen Käufer pro Kopf mehr aus, weisen dabei aber geringere Zuwachsarten aus. Die kanadischen Werbekampagnen sind auch Mittel, den Trend zu grenzüberschreitenden Einkaufstouren zu bremsen. (anw)