Verräterische Haufen

Vor ein paar Jahren war es noch ein Aprilscherz, jetzt ist es Realität. In den USA suchen Hausverwaltungen regelmäßig per DNA-Test nach den Verursachern von Hundehaufen.

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Vor ein paar Jahren war es noch ein Aprilscherz, jetzt ist es Realität. In den USA suchen Hausverwaltungen regelmäßig per DNA-Test nach den Verursachern von Hundehaufen.

Als ich noch in Berlin wohnte, fiel mir irgendwann auf, dass ich ständig vor meine Füße schaute. Wenn ich aus dem Haustor trat, prüfte ich zuerst den Fuß der Treppe, ob da nicht einer der allgegenwertigen Hauptstadt-Hundehaufen lag. In Gedanken versunken zur U-Bahn laufen war nicht drin. Stattdessen hatte ich mir angewöhnt, in regelmäßigen Abständen die Straße vor mir zu scannen. In keiner anderen Stadt habe ich seither so viele Zeugnisse desinteressierter Hundehalter gesehen, die weder Rücksicht auf die Gemeinschaft nehmen noch sich vom Bußgeld nicht abgeschreckt fühlen.

Die Problematik inspirierte Journalisten Jahr für Jahr zu neuen Aprilscherzen. Einmal erfanden die Kollegen vom Tagesspiegel eine App, mit der man den Haufen fotografieren und den Ort an die Berliner Stadtreinigung melden konnte. Für eine Gebühr von 7,99 Euro pro Monat (bei Hunden über 30 kg Gewicht 9,99 Euro) musste man sich fortan nicht mehr ums Aufsammeln kümmern. Das Schnupper-Angebot bekam da eine ganz neue Bedeutung. Eine Online-Newsseite wiederum berichtete davon, dass man rücksichtslose Halter über modifiziertes Hundefutter dingfest machen könne. Ich habe die Meldung leider nicht wiedergefunden, aber die Lösung ging irgendwie so: Das Hundefutter wird mit gesundheitlich unbedenklichen Mini-Partikeln versetzt. Da jede Packung eine andere Partikel-Signatur enthält, kann man – zumindest Kartenzahler – nachträglich per Hundehaufen-Analyse identifizieren.

Der Aprilscherz der Mainpost, nicht entfernten Hundekot anhand von DNA-Tests zuzuordnen, ist inzwischen Realität: In den USA lassen Hausverwaltungen von Boston bis Florida Hinterlassenschaften von einem spezialisierten Labor testen. „Wir mussten so weit gehen“, sagte etwa Tiffany Acosta, die für einen großen Wohnkomplex mit 360 Wohnungen in Fort Lauderdale in Florida zuständig ist, gegenüber der Zeitung „Sun Sentinel“. Bis zu 200 Haufen pro Tag hätten Hundebesitzer liegen lassen. Nichts half. Weder Aushänge mit der Bitte ums Aufsammeln noch die reichlich befremdlichen Aufrufe, renitente Nachbarhalter zu melden oder gar in flagranti zu fotografieren. Nicht mal der für eine Woche angeheuerte Polizist a.D. konnte auch nur einen Haufenflüchtigen überführen.

Erst die DNA-Tests brachten Besserung. Die Strafe in Höhe von 150 Dollar beinhaltet die Testkosten und wird von der hinterlegten Hundekaution abgezogen. Die Zahl der Delikte sei daraufhin um 85 Prozent gesunken, sagt Acosta. Inzwischen muss jeder Hundebesitzer eine Speichelprobe seines Tieres bei der Hausverwaltung hinterlegen. Ich habe zuerst über die Meldung gelacht. Inzwischen weiß ich nicht, was ich befremdlicher finden soll: den DNA-Test oder dass zuweilen nichts anderes hilft. Gibt es irgendwo da draußen keine anderen geistreicheren Ideen, erfolgreiche augenzwinkernde Wettbewerbe, die zu mehr Rücksicht animieren? (vsz)