X Make Munich: Modellbau mit App und 3D-Druck mit Plätzchen
Ein Tabletop-Spiel, das mit einer App zusammenarbeitet, ein Schraubverschluss als Ad-hoc-Kamerastativ und jede Menge 3D-Drucker: Die X-make Munich versammelte lokale Maker- und Kunsthandwerkprojekte zu einem vorweihnachtlichen Bastler-Basar.
- Anika Kehrer
- Philip Steffan
Die erstmals veranstaltete X-make Munich versammelte am vergangenen ersten Adventssonntag in zwei Räumen der Technischen Universität München lokale Maker- und Kunsthandwerkprojekte zu einem vorweihnachtlichen Bastler-Basar.
Das Trio Frederick Albrecht, Sebastian Kaspari und Juhani Lehtimäki (letzterer kennt das schon, dass man über seinen Namen stolpert, und lacht: "Ja, ich bin Finne") hat sein Tabletop-Spiel Lands of Ruin aufgebaut. Das besondere daran: Sie koppeln es mit einer App für Android-Tablets, die die Regeln kennt und Berechnungen etwa für Schadenspunkte durchführt. Noch ist das Spiel ein nebenberufliches Projekt, erst ein rundes Jahr alt, und befindet sich noch im Betatest, an dem bislang nur um die 20 Personen mitwirken. Zugangshürde ist, dass die Tester sich erst ihre eigene Modellbau-Landschaft erstellen müssen, bevor sie loslegen können. Genau diese Modellbaulandschaft lässt allerdings alle Finger kribbeln: Im Gegensatz zum 3D-Druck, mit dem sich auch einzelne Teile der Szenerie ausdrucken lassen, sind in solch einem klassischen Modellbau dem visuellen und haptischen Genuss keine Grenzen gesetzt. Alles, was ein Modellbauladen oder einfach die Welt dort draußen hergibt, kann man zu einer Szenerie verbauen, in der anschließend das Spiel stattfindet.
X-Make Munich (10 Bilder)

Aussteller Stefan Birghan und Jörg Weindl, beide Fans von Infrarotfotografie, haben sich einen Schraubverschluss ausgedacht, der aus jeder griffbereiten Flasche ein Behelfsstativ für Foto- oder Filmkameras macht ("Das kleinste und leichteste Alustativ der Welt"). Nicht alle Flaschenhersteller halten sich an die entsprechende DIN-Norm: Volvic und Vittel machen Schwierigkeiten. Den Stichproben-Praxistest - eine dem Café-Tresen im Nebenraum abgeschwatzte Saftflasche aus Glas - hat die schlaue Idee jedoch bestanden. Allerdings konnte sich das Kunststoff-Gewinde der Testkamera nicht so recht mit der Schraube anfreunden: Die Testkamera saß leicht schief auf der Flasche. Schwere Kameras sichert man allerdings auch auf großen Flaschen sicherheitshalber mit der Hand nach. Jörg Weindl hatte außerdem seinen 3D-Drucker dabei. Gemäß des weihnachtlichen Mottos nahm er Design-Dateien für Plätzchenformen von Anwesenden entgegen und druckte die Form aus. Am Nebentisch konnte man dann Plätzchen mit der frischgedruckten Form ausstechen und backen.
Wenn man sich aber nicht gerade unter Makern aufhält, ist die Verbreitung von 3D-Druckern noch relativ gering sein. Dem nimmt sich das gerade mal ein halbes Jahr alte Web-Portal 3D Hubs an (wir berichteten). Filemon Schoffer, der Community-Chef von 3D Hubs, stellte den Dienst auf der X-make vor. Ab sofort will 3D Hubs auch regelmäßige Treffen in der Münchner 3D-Druck-Community unterstützen. Weltweit sind derzeit nach Schoffers Angaben um die 2000 Drucker bei 3D Hubs registriert. In Berlin sind das zum Beispiel 18, in München 15 und in Jena erst einer. (phs)